Wildobst – nicht nur für Feinschmecker

Mispel / Foto: © Albedo / Pixelio.de

Mispel / Foto: © Albedo / Pixelio.de

„Was ist denn das?“ fragt sich jetzt mancher, wenn er in Gärten oder Parkanlagen einen kleinen Baum mit sehr ungewöhnlichen Früchten sieht. Sie sind bis zu 4 Zentimeter groß, braun, rundlich und unten merkwürdig gezackt.

Die Rede ist von der Echten Mispel (Mespilus germanica), einem wärmeliebenden Gehölz mit dekorativen, essbaren Früchten. Ursprünglich kommt sie aus Südeuropa, dem Kaukasus und dem Iran. Die Echte Mispel ist jedoch schon seit langem in Deutschland eingebürgert und ein pflegeleichtes und interessantes Fruchtgehölz für Hausgärten. Sie kann auch für Hecken und als Vogelschutzgehölz verwendet werden.

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Schlehe / Foto © Eberhard Münch / Pixelio.de

Neue Geschmackserlebnisse aus dem Garten

Die Echte Mispel wird etwa 3 bis 5 Meter hoch und entwickelt sich zu kleinen Bäumen oder großen Sträuchern. Sie zählt zu den Wildobstgehölzen. „Wild“ heißt dabei nicht, dass es sich um Pfl anzen mit ungebändigtem Wuchs, wenig Zierwert oder geringem Fruchtertrag handelt. Der Begriff bezieht sich vielmehr darauf, dass die Pflanzen züchterisch nicht oder nur wenig bearbeitet wurden. Zum so genannten Wildobst gehören zum Beispiel auch Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Felsenbirne (Amelanchier), Apfelbeere (Aronia) und Kornelkirschen (Cornus mas). Sie bieten ungewöhnliche Geschmackserlebnisse, denn die Früchte, auch in verarbeiteter Form, gehören nicht zum Standardsortiment des Handels.

Erst den Frost abwarten

Vermutlich gelangte die Echte Mispel schon vor circa 2000 Jahren mit römischen Soldaten in die Regionen nördlich der Alpen, wo sie seitdem als Obstgehölz gepflanzt wird. Im Mittelalter wurde sie besonders geschätzt und war früher oft in Bauerngärten zu finden. Inzwischen erleben alte, fast in Vergessenheit geratene Obstgehölze wie die Echte Mispel eine Renaissance. Ihre hübschen, weißen Blüten erscheinen im Mai und Juni und sehen aus wie Apfelblüten. Die Blätter sind bis zu 12 Zentimeter lang und an der Unterseite fein behaart. Sie sind sommergrün; im Herbst färben sie sich rotbraun bis leuchtend orangegelb. Die sehr markanten, länglich-runden, braunen Früchte haben eine raue, etwas fi lzige Schale. Sie schmecken süß-säuerlich und werden erst nach Frosteinwirkung genießbar. Erst dann können sie roh gegessen werden; sie eignen sich aber auch gut für Marmelade, Gelee, Saft, Likör oder Obstwein.

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Sanddorn / Foto © Karl-Heinz Liebisch / Pixelio.de

Vielseitiger Sanddorn

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) ist ebenfalls ein robustes Wildobstgehölz. Er beeindruckt mit einem eigenwilligen Wuchs, silbriggrauen Blättern und auffallenden Früchten. Die länglichschmalen Blätter verleihen dem oft bizarr wachsenden Baum oder Strauch einen ganz besonderen Reiz. Auch nach dem herbstlichen Blattfall ist der Sanddorn interessant, denn die leuchtend orangefarbenen Beerenfrüchte bleiben bis in den Winter hinein an den Zweigen haften. Die dicht mit Früchten besetzten Zweige kommen auch in der Vase gut zur Geltung. Die Sanddornbeeren sind essbar und enthalten viele Vitamine; ihr Vitamin-C-Gehalt ist besonders hoch. Sie schmecken herb-säuerlich und lassen sich gut zu Marmelade, Saft, Likör, Sirup oder in Saucen verarbeiten.

Anspruchslos

Der Sanddorn ist sehr anspruchslos. Er gedeiht noch auf ärmsten Sandböden und verträgt relativ hohe Salzgehalte, Hitze und Wind. Darum ist er in den Küstenregionen weit verbreitet und auf den Ostfriesischen Inseln und an der mecklenburgischen Küste sehr häufig zu finden. Vor dem Pflanzen sollte man wissen, dass der Sanddorn zweihäusig ist. Das heißt, dass eine Pflanze entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten trägt. Für eine reiche Beerenernte sollten am besten mehrere Exemplare beiderlei Geschlechts gepflanzt werden.

Außergewöhnliches für die Küche

Der robuste und pflegeleichte Sanddorn wird nicht nur von Gartenbesitzern wiederentdeckt, sondern auch vom professionellen Obstbau. Deshalb werden inzwischen von diesem Wildobst besonders gute und ertragreiche Exemplare gezielt vermehrt. So sind mittlerweile viele Sanddornsorten entstanden und es gibt Züchtungen, die größere Früchte als die Wildart haben. Wer sich bei der Gartenplanung von dem großen Wildobstsortiment inspirieren lässt, kann dann direkt hinter dem Haus auf kulinarische Entdeckungsreise gehen.

[Quelle: PdM]

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