Giovanni’s Welt im November: Träum ich noch, oder bin ich schon wach…

Giovannis_Welt

Es ist noch früh am Morgen. Draußen ist es noch dunkel und ich wälze mich im Bett hin und her. Ein müder kurzer Blick auf unsere Schlafzimmer- Laseruhr, die ihren Strahl an die Wand wirft und mir verrät, dass es erst 5.00 Uhr morgens ist. Beruhigt schließen sich gleich wieder meine Augen. Währenddessen spielt mir eine schöne Melodie im Kopf herum und ich überlege, ob es sie schon gibt. Sie scheint ganz neu zu sein. Im Traum muss sie mir jemand zugeflüstert haben und denke noch, vielleicht sogar der liebe Gott. Im Halbschlaf scheint mir seine Stimme zu sagen, Giovanni, …steh endlich auf und bring das musikalische Werk zu Papier. Du verpasst die Chance deines Lebens. Ich wälze mich weiter von rechts nach links in unserem warmen, molligen Wasserbett und habe Angst, sie zu vergessen. Als ich das nächste Mal kurz die Augen öffne, ist es schon kurz vor sieben. Noch immer finde ich keine Kraft, die wärmende Decke aufzuschlagen und mich zu erheben.

Im Geiste die schöne Melodie singend denke ich, wenn mich jetzt mein Sohn anrufen würde, weil er mit dem Auto in Winsen an der Luhe, oder in Castrop-Rauxel liegen geblieben ist, würde ich sofort aus dem Bett springen und mich noch im Schlafanzug auf den Weg machen. Für diese scheinbar wunderschöne Songidee reicht es aber nicht, meinen inneren Schweinehund zu besiegen.

Als ich mich wieder überwinde, auf die Uhr zu sehen, ist es schon hell und kurz nach acht. Ich bemerke, dass meine Frau längst aufgestanden ist und endlich verlasse auch ich gerädert das Bett. Dabei stelle ich erleichtert fest: „Die Melodie ist noch da!“ In der Küche wartet eine heiße Tasse Kaffee auf mich und auf dem Tisch liegt die neue Tageszeitung. Ich lese wie immer zuerst die letzte Seite und wechsle dann zu den Sportberichten. Im Kopf spielt wie von selbst immer noch mein neues Lied. Doch jetzt zieht es mich erst einmal auf unsere Terrasse und ich freue mich auf die erste Zigarette. Zurück in der Wohnung gehe ich mit sehnsüchtigem Blick an meinem Klavier vorbei. So gerne würde ich jetzt auf die Tasten hauen, um die neue Melodie auszuprobieren. Da meine Frau aber mein morgendliches Geklimper hasst, siegt die anerzogene Verhaltensweise für harmonisch rücksichtsvolles Eheleben.

Als meine Frau gegen 12.00 Uhr das Haus verlässt, eile ich gleich zum Klavier. Meine Hände legen sich erwartungsvoll auf die geliebten weißen und schwarzen Tasten. Aber dann passiert es, kein Ton erklingt, die wunderbare Melodie ist weg!

Euer Giovanni

Über den Autor

Ähnliche Artikel