Winterreifenpflicht für Motorräder: So ist die Rechtslage

„Bei Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, deren Laufflächenprofi l, Laufflächenmischung oder Aufbau für die genannten winterlichen Straßenverhältnisse ausgelegt sind (Winterreifen).”

Von Frank Langemeier, Rinteln-Engern

Auto & Co_LangemeierDiese Regelung zum Thema Winterreifen ist in Deutschland am 04.12.2010 in Kraft getreten. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit und werden mit Bußgeldern von 40 (ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer) bzw. 80 Euro (mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer) und zusätzlich noch einem Punkt in Flensburg geahndet. Schon alleine deshalb sollte man sich an die Winterreifenpflicht lieber halten, aber was noch viel schlimmer ist: Auch Versicherungen können die Übernahme eines eventuell entstehenden Schadens verweigern, wenn die Unfallursache auf falsche Bereifung zurückzuführen ist.

Was PKWs angeht, ist die Winterreifenpflicht auch relativ wenig umstritten. Schwieriger wird es allerdings im Bereich Motorräder und Mopeds – hier gibt es deutlich mehr Raum für Interpretationen. Nachdem die etwas unklare Formulierung für eine Menge Verwirrung auf Seiten der Zweiradfahrer gesorgt hatte, hat das Bundesverkehrsministerium Ende 2011 aber nochmals in einer schriftlichen Verlautbarung klargestellt:

Ja, die Winterreifenpflicht gilt auch für Motorräder, Roller, Quads, Mopeds und Mofas! Diese Regelung ist allerdings nicht als Ausstattungspflicht zu verstehen, sondern vielmehr als ein Fahrverbot für Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen. Wer sein Zweirad auch bei Schnee und Glatteis bewegen möchte, muss auf so genannte M+S Reifen zurückgreifen. Während es für Rollerfahrer dabei wenigstens noch einige Reifen im Angebot gibt, haben es Motorradfahrer oft schwer, passende Reifen für ihre Maschine zu finden. Das Problem dabei: Wer keine M+S Winterreifen findet, die für sein Motorrad zugelassen sind, hat bei winterlichen Straßenverhältnissen damit faktisch Fahrverbot!

Welche Motorradreifen gelten als Winterreifen?

Der Gesetzgeber kennt allgemein solche Reifen als Winterreifen an, die über eine M+S Auszeichnung verfügen oder mit einem Schneeflockensymbol gekennzeichnet sind. Oft basieren diese Reifen dann auf einer bestimmten Gummimischung, die dank chemischen Zusätzen wie Silica besonders weich ist und damit extra viel Grip gibt. Entscheidend ist aber laut Gesetzestext vor allem das Profil, das mit größeren Profilrillen oder Stollen extra auf das Fahren bei winterlichen Verhältnissen ausgerichtet ist. Besonders grobstollige Reifen wie die meisten Enduro-Reifen müssten also eigentlich auch unter diese Kategorie fallen, obwohl sie nicht explizit als Winterreifen ausgewiesen sind. Aber auch wenn Enduro und Crossreifen aufgrund ihres Profils im Prinzip die Anforderungen an einen M+S Reifen erfüllen, sind diese nicht zulässig, da das entsprechende Symbol fehlt.

Wer also auch im Winter auf der sicheren Seite sein möchte, sollte sein Motorrad oder Moped bei winterlichem Wetter mit Glätte, Schnee und Eis nur mit entsprechend gekennzeichneten, wintertauglichen Reifen fahren. Ohne entsprechende Bereifung sollte die Maschine lieber in der Garage bleiben – sonst kann das nicht nur ganz schön teuer, sondern auch äußerst gefährlich werden!

Übrigens: Wer die Winterreifenpflicht für Motorräder selber noch mal nachlesen möchte: Zu finden ist das entsprechende Gesetz in § 2 Absatz 3 Satz 1 und 2 der Straßenverkehrsordnung.

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