Unterhalt der volljährigen Kinder

von Rechtsanwalt Thorsten Frühmark aus Rinteln, zugleich Fachanwalt für Familienrecht und Fachanwalt für Arbeitsrecht

Ihr gutes Recht_Thorsten FrühmarkEltern sind dazu verpflichtet, den Lebensbedarf ihres Kindes sicherzustellen. Grundsätzlich endet die Pflicht nicht mit der Volljährigkeit des Kindes. Erst wenn das Kind in der Lage ist, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, entfällt der Unterhaltsanspruch.

Unterhalt während der Ausbildung

Zum Lebensbedarf des Kindes gehören die Kosten der Erziehung und einer angemessenen Ausbildung zu einem Beruf. Das Kind hat also Anspruch auf Finanzierung einer schulischen und beruflichen Ausbildung. Nach Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums muss das Kind grundsätzlich seinen Unterhalt selbst sicherstellen und kann keinen Unterhalt mehr von den Eltern verlangen.

Unterhaltsbedarf von Schülern

Schüler haben dann einen Unterhaltsanspruch, wenn sie sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden und unverheiratet sind. Für Schüler, die bei einem Elternteil wohnen, gelten dieselben unterhaltsrechtlichen Grundsätze wie für ein minderjähriges Kind. Ab dem 18. Geburtstag ist das Kind allerdings nicht mehr betreuungsdürftig, so dass beide Elternteile den sog. Barunterhalt leisten müssen, und zwar ihren Einkünften entsprechend. Der Elternteil, bei dem der Schüler wohnt, könnte seinen Unterhalt z.B. mit Kost- und Taschengeld verrechnen. Das Geld wird dann wie Einkommen des Kindes in voller Höhe abgezogen. Lebt der Schüler nicht mehr bei einem Elternteil, so gibt es einen festen Bedarfssatz nach der Düsseldorfer Tabelle, der seit dem 01.01.2016 bei 735,00 € liegt.

Unterhaltsbedarf von Auszubildenden

Der Unterhaltsanspruch umfasst neben der schulischen Ausbildung auch die Zeit der Berufsausbildung. Der Auszubildende hat sich aber seiner Ausbildungsvergütung nach Abzug von Fahrtkosten und einer Ausbildungspauschale in Höhe von 90,00 € monatlich anrechnen zu lassen. Ein Kind hat grundsätzlich aber nur Anspruch auf die Finanzierung einer Ausbildung. Dann kann das Kind nach erfolgreichem Abschluss der ersten Berufsausbildung keinen Anspruch auf Unterhalt für eine weitere Berufsausbildung geltend machen, ausser in den anerkannten Abitur-Lehre-Studium-Fällen. Deshalb besteht z.B. ein Unterhaltsanspruch, wenn das Kind nach dem Abitur eine Banklehre macht um gleich darauf Betriebswirtschaftslehre studiert.

Unterhaltsbedarf von Studenten

Studenten können Unterhalt beanspruchen, solange sie die durchschnittliche Studiendauer nicht wesentlich überschreiten. Bis zum zweiten, ggf. dritten Semester können sie auch die Fachrichtung wechseln, wenn sich herausstellt, dass die erste Studienwahl falsch war.

Unterhalt während des freiwilligen sozialen Jahres etc.

Während eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres hat das Kind auf jeden Fall Anspruch auf Unterhalt, sofern es sich dabei um die notwendige Voraussetzung für ein Studium oder eine Ausbildung handelt, die es anstrebt. Auch falls die Eltern mit dem freiwilligen sozialen Jahr des Kindes einverstanden sind, sind sie weiterhin unterhaltspflichtig. Zahlen die Eltern für volljährige Kinder die ein freiwilliges soziales Jahr durchlaufen, welches für den beabsichtigten Beruf nicht erforderlich ist, nach gängiger Rechtsprechung keinen unterhaltsberechtigt. Erzielt das Kind während des freiwilligen sozialen Jahres Einkünfte oder bekommt es eine Aufwandsentschädigung, sind die Leistungen im vollen Umfang auf die Unterhaltszahlungen anzurechnen. Generell besteht keine Unterhaltsverpflichtung, wenn das Kind auf Weltreise geht oder als Au-Pair im Ausland arbeitet.

Kindergeld und BAföG

Ab der Volljährigkeit des Kindes ist das Kindergeld in voller Höhe vom Unterhaltsbedarf abzuziehen. Auch BAföG-Leistungen sind als unterhaltsrechtlich relevantes Einkommen anzurechnen und mindern damit die Ansprüche des Ausbildenden oder Studenten. Der Unterhaltsberechtigte muss BAföG beantragen und in Anspruch nehmen, selbst wenn die staatliche Ausbildungsförderung nur darlehensweise erfolgt. Während des Studiums sind Studenten grundsätzlich nicht verpflichtet, nebenher Arbeiten zu gehen.

Zusammenfassung:

  • Eltern sind auch für volljährige Kinder unterhaltspflichtig;
  • Nach Abschluss einer beruflichen Ausbildung entfällt grundsätzlich der Unterhaltsanspruch, da das Kind auf eigenen Beinen stehen kann. Eine Zweitausbildung müssen die Eltern nicht finanzieren.
  • Ab dem 18. Lebensjahr sind beide Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet, jedes Elternteil hat dann entsprechend seinem Einkommen einen Anteil zu zahlen.
  • Die Höhe des Unterhalts eines volljährigen Kindes ergibt sich aus der Düsseldorfer Tabelle, wenn das Kind noch bei einem Elternteil wohnt; lebt das volljährige Kind nicht mehr bei einem Elternteil, beläuft sich der monatliche Unterhalts seit dem 01.01.2016 auf 735,00 €.
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