„Und am Ende wird alles gut?!“ Ein Leben voller Höhen und Tiefen und der wahren Liebe

von Sonja Weichert

Aktuell_Portrait_R_Grützer_1Kann man, wenn das Schicksal gleich mehrere Male zuschlägt, ein humorvoller, lebensbejahender Mensch sein? Ja, es funktioniert! Dies zeigt die Lebensgeschichte von Rosemarie Grützner, die in ihrem Buch, „Mimi – ein Leben wie die Boheme“ – Eine Reise durch zwei Jahrhunderte, nachzulesen ist.

Rosemarie Kleist ist im Pommerschen Stettin am 5. März 1937 als uneheliches, aber aus tiefster Liebe gezeugtes Kind, geboren. Als ihre Eltern dann doch gegen den Willen der Familie 1938 heirateten – die Mutter galt nicht als standesgemäß – dauerte der Familienzwist jedoch nicht sehr lange. Der zweite Weltkrieg kam dazwischen und versöhnte die Familie. 1940 gab es für „Mimi“, so wurde Rosemarie immer vom Vater genannt, ein Schwesterchen und 1942 dann einen kleinen Bruder.

Doch das Familienglück währte nicht lange. Der Vater starb im Krieg, da war „Mimi“ gerade mal fünf Jahre. Die junge Familie flüchtete nach Bodenwerder, ging aber 1947 zurück in den Osten nach Demmin, wo „Mimi“ ihren kleinen Brüder nur ein Jahr darauf durch Ertrinken im eingebrochenen Eis verlor. Vater tot, Bruder tot, das allein würde so manches Kinderherz schon arg in Mitleidenschaft reißen; doch es kam noch schlimmer. „Mimi“ verlor mit nur 14 Jahren ihre Mutter.

Die beiden Mädchen wuchsen dann beim Bruder der Mutter auf. „Mimi“ beendete nach acht Jahren ihre Schulzeit und machte in Schwerin eine Lehre als Textilkauffrau. Nebenbei arbeitete sie als Model. Im Sommer ‚54 geschah es dann; beim Tanz traf „Mimi“ ihre große Liebe, den Musikstudenten Peter Grützner, heute bekannt durch viele Vertonungen wie „Bonanza“ oder den Wald Disney Klassiker „20.000 Meilen unter dem Meer“. Doch so schnell das Glück kam, ging es auch wieder und sie verloren sich aus den Augen. 1955 flüchtete Rosemarie, mit einer Besuchserlaubnis für eine Woche, mit ihrer Schwester in den Westen zum Großvater. Sie gingen nicht zurück. Rosemarie verschlug es nach Hamburg und dann nach Holstein, wo sie heiratete und zwei Söhne gebar.

Nach elf Jahren und weiteren Schicksalsschlägen folgte die Scheidung. 14 Jahre später ging Rosemarie dann die zweite Ehe mit dem Steinberger Dieter Bleeker ein und sie waren 31 Jahre verheiratet. „Davon war ich 21 Jahre seine Krankenschwester“, so die Autorin und Songtexterin, „leider war er schwer an Parkinson erkrankt“.

Die schriftstellerisch und Musik interessierte Rosemarie hörte aber nie auf, an Peter Grützner zu denken und eines Tages spielte ihr der Zufall wohlgesonnen mit. Eine digitale Telefonnummernsuche fiel ihr in die Hände. Das war die Gelegenheit herauszufinden, was aus der Jugendliebe geworden ist.

2008 war der Peter von früher dann wiedergefunden. Doch auch zu der Zeit stand das Glück noch nicht auf ihrer Seite. Sie erkrankte an beidseitigem Brustkrebs…! Am 9.9.2009 endet das Buch mit dem Hochzeitsfoto.

Aktuell_Portait_R_GrütznerDie heute 77-jährige weiß, dass es ihre sonnige Frohnatur ist, die ihr so manches Mal durch‘s Leben geholfen hat, und diese Frohnatur trägt sie als Erbe ihrer Mutter im Herzen. 2006 begann Rosemarie, damals noch Bleeker, das Buch zu schreiben in den Ruhepausen des als Pflegefall im Bett liegenden Mannes Dieter – die Rundumpflege dauerte zweieinhalb Jahre bis zum Tod. Trotz allem Schicksalhaften in ihrem Leben sagt Rosemarie Grützner: „Ich bin ein Glückskind nach 54 Jahren den Mann wieder zu treffen und die gleiche Liebe zu spüren wie damals!“

„Mimi“, ein Leben wie die Boheme“, ein Buch mit 392 Seiten über Schicksalsschläge, die kein Ende zu nehmen scheinen und so manche Tränen des Lesers kosten. Ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen, berührend und spannend. Doch am Ende steht ein schönes Leben einer starken Frau, verheiratet mit der „wahren großen Liebe“.

Über den Autor

Ähnliche Artikel