“Schweinerei” in der Brennerstraße: Wieso stehen vor Haus Nummer 14 drei kleine Schweine?

Von Sonja Weichert

Wie kommen die drei Sandsteinschweine vor das Haus Nummer 14 in der Brennerstraße? Diese Frage stellen sich nicht nur Rintelner, sondern auch Besucher der Weserstadt.

Aktuell_Schweine (4)Durch Zufall, an einem Glühweinstand, kam zwischen Margret Laue und Willi Eckel das Gespräch auf, wie schön es war in den Kindertagen. Ballspielen, Fahrradfahren und Albumbilder tauschen sind Kindheitserinnerungen. Doch wo sind sie nur alle geblieben, die Kinder der “Schweinestraße” und “Lindenallee”, wie die Brennerstraße damals im Volksmund hieß?

Zur Erklärung:

Die “Schweinestraße” war die Ostseite der heutigen Brennerstraße, auf der der Viehmarkt stattfand, und die “Lindenallee” auf der gegenüberliegenden Seite. Laue und Eckel waren sich beim Glühwein einig: „Ein Treffen muss her!“ Gesagt, getan. Brennerstraßenkind Margret Laue ging von Tür zu Tür und sammelte 120 Adressen von ehemaligen Brennerstraßenkindern. Sie nahm Friedrich-Wilhelm Hoppe mit ins “Boot” und das erste Treffen war 1992 geboren. Seither treffen sich die “Brennerstraßenkinder” regelmäßig bei verschiedenen Aktivitäten. Gleich beim ersten Treffen keimte auch die Idee auf, den Viehmarkt in der Brennerstraße in Erinnerung zu rufen. Die „Schweine“ mussten wieder her; und wenn auch nur als Denkmal. Von nun an wurde der Überschuss der Treffen auf einem Sparbuch angesammelt und Spenden wurden gerne entgegen genommen.

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Schweinehaltung um 1900. Foto: Ditfurth

Zur Historie des Viehmarktes

Graf Ernst verfügte 1612 die Abhaltung von regelmäßigen Wochenmärkten in Rinteln, auf denen auch geschlachtetes Vieh angeboten wurde. Die Rintelner Metzger beklagten sich 1650, dass man bei den „…ausländischen Bauern“ nicht wisse, woher das Fleisch stamme. Gräfin Amalie Elisabeth lehnte jedoch den Wunsch nach einer Fleisch-Monopolstellung der Rintelner Zunftmeister ab.

Der Viehmarkt, der anfänglich auf dem Steinanger abgehalten wurde, fand später am Kollegienplatz und schließlich als Schweine- und Hammelmarkt in der Brennerstraße bis Ende der 1960er Jahre statt.

Zurück zu den Sandsteinschweinen

Aktuell_Schweine (8)Margret Laue, Willi Eckel, Herbert Lehmeier und Friedrich-Wilhelm Hoppe trieben das Schweineprojekt voran. Da Bronzeschweine mit 100.000 Mark viel zu teuer waren, fand man im Sandstein und dem Künstler Robert Lüttge eine günstigere Alternative. 18.000 Mark für drei lebensgroße Schweine waren zu schaffen. Durch Beteiligung der Brennerstraßenkinder, durch Spenden und einem großen Zuschuss des Verschönerungs-Verein Rinteln von 1878 e.V. kam das Geld zusammen.

Aktuell_Schweine (7)Am 2. Juni 1996 war es dann soweit. Die Schweinegruppe wurde mit einem großen Fest „rund um’s Schwein“ an die Brennerstraße übergeben. „Schweinereien ohne Ende“ mit Schweinshaxe, Schweineohren und Schweineschluck umrahmten das Fest. Für die Aufstellung der Schweine musste übrigens ein kleiner Kompromiss eingegangen werden. Sie stehen auf der „Lindenallee“-Seite, da sich auf der eigentlichen „Schweinestraßen“-Seite kein geeigneter Platz fand. Doch den Platz vor der ehemaligen Gaststätte „Beißner“ fanden die Brennerstraßenkinder als geeignet, denn dort brachten die Viehhändler früher nach dem Handel einen Teil ihres Geldes hin, dort fanden auch ab 1948 viele Flüchtlinge ein Übergangs-Zuhause in der Brennerstraße.

Das älteste “Brennerstraßenkind” von der “Schweinestraße”, das auch noch dort wohnt, ist übrigens Herbert Lehmeier, geboren am 3. September 1933.

Ein Dankeschön für Info- und Bildmaterial geht an das Stadtarchiv und Stadtarchivar Dr. Stefan Meyer und “Brennerstraßenkind” Margret Laue.

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