Schaumburger Liebesgeschichten – Historische Histörchen

Mit dieser Kolumne eröffnen wir unseren Reigen von Liebesgeschichten, recherchiert und ermittelt von unserem Kolumnisten Uwe Kurt Stade.

Wir werden Königinnen, Fürstinnen und Bauerstöchtern begegnen. Wir erfahren von Heimweh, Trauer und Aufbruch, aber auch von Verstecken, Standesunterschieden aller Arten, und vor allem von: Liebe.

Anna Lucie und Carl Louis

Wir schreiben die 1850er Jahre. Überall herrscht große Not. Die 1830er Revolution wirkt noch immer nach. Zweit- und Drittsöhne können von den Höfen nicht mehr ernährt werden, Mädchen kann keine attraktive Mitgift mehr mitgegeben werden. Doch Bauern können jetzt ihre Höfe selber bestellen und vererben, sofern sie diese bezahlen konnten. Da u.a. die hessisch-landgräfliche, später kurfürstliche Regierung immer wieder die persönliche Freiheit des Einzelnen zu beschränken versuchte, obendrein mehrere Missernten eintraten, wanderten viele Schaumburger nach Amerika aus. Es wird schließlich so schlimm, dass die Regierung das Auswandern von Handwerkern schlichtweg verbietet oder zeitlich begrenzt. Eines aber funktioniert immer noch reibungslos – die Standesunterschiede!

Auch Carl Louis Ernst Heinrich aus Hohenrode zieht es in die Ferne. Der 1834 geborene Pastorensohn soll, wie schon viele seiner Vorfahren Prediger oder Pastor werden. Irgendwie aber ist das nicht sein Ding, die Enttäuschung der Familie ist sehr groß. Die Familie besetzt nämlich seit Generationen und noch bis ins 20. Jahrhundert im Schaumburger Umfeld viele Pfarrstellen und ist sehr stolz darauf. Carl Louis aber treibt sich lieber in Gaststätten herum, als ordentlich zu studieren. So lernt er Anna-Lucie kennen, die schöne Gastwirtstochter (das heutige „Stadt Kassel) aus Rinteln mit streng protestantischen  Eltern aus dem Lippischen. Natürlich kann daraus nichts werden, „das Wasser ist viel zu tief“, soll heißen, die gesellschaftlichen Zwänge lassen eine .Verbindung nicht zu.

So wandern sie 1858 heimlich, ohne Zustimmung von Eltern oder Behörden nach Schaumburg, Illinois (Chicago) aus. Dort heiraten sie und schon 1860 kommt ihr Sohn Louis Carl Moritz zur Welt. So richtig Fuß fassen kann man nicht, auch ist wohl das Heimweh groß, es wird daher beschlossen, nach Deutschland, Hannover zurück zu kehren. Hier leben sie in Freuden. Carl Louis und Anna-Lucie werden die Urgroßeltern der schwedischen Königin Sylvia, geborene Sommerlath. So ist nun bis heute „die halbe Grafschaft Schaumburg“ mit dem schwedischen Königshaus verwandt. Und die Liebe hat wieder den Standesunterschied besiegt. Liebe war und ist stark!

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