Rückstausicherung: Schutz vor Kellerüberflutungen

Meteorologen warnen immer wieder davor, dass extreme Niederschläge, sogenannte Starkregen-Ereignisse, in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen werden. Mit unangenehmen und kostspieligen Folgen für viele Hauseigentümer und Bewohner.

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© Stefanie Leistner / Pixelio.de

Die großen Regenmengen führen zu einem Rückstau in der Kanalisation. Sind Räume unterhalb der Rückstauebene, meist Keller oder Souterrain-Wohnungen, nicht entsprechend geschützt, dringt Wasser ein. Besonders dann, wenn in den Räumen WCs, Waschbecken, Duschen oder Bodenabläufe an die Kanalisation angeschlossen sind.

Sicherungspflicht liegt bei den Grundstückseigentümern

Viele Grundstückseigentümer glauben, die Gemeinde oder Stadt als Betreiber des öffentlichen Kanalnetzes für den Rückstau haftbar machen zu können, zumindest aber gegen die wirtschaftlichen Folgen von Rückstauereignissen versichert zu sein: Beides ist fast immer ein Irrtum mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. Die neuere Rechtsprechung hat in diesen Fragen praktisch durchgängig entschieden, dass die Sicherungspflicht bei den Grundstückseigentümern liegt. Fazit: Der einzige wirksame Schutz vor Rückstauproblemen ist die rechtzeitige technische Vorsorge auf dem Grundstück durch die fachkundige Installation geeigneter Rückstausicherungen.

Beim Einbau von Rückstausicherungen zu beachten:

• Wählen Sie die richtige Rückstausicherung. Die seit Jahrzehnten bekannten Kellerabläufe (Gullys) mit Rückstaudoppelverschluss sind nur für fäkalienfreies Abwasser geeignet. Sie entsprechen der DIN 1997. Viele dieser Gullys haben die Möglichkeit, Seiteneinläufe anzuschließen. Darüber hinaus gibt es Absperrvorrichtungen für durchgehende Rohrleitungen, so dass damit problemlos Bodeneinläufe, Waschbecken, Spülbecken, Waschmaschinenabläufe, Bäder, Duschen und ähnliches wirkungsvoll abgesichert werden können. Diese Rückstausicherungen haben alle grundsätzlichzwei Verschlüsse. Der Betriebsverschluss schließt die Leitungen bei Rückstau selbstständig. Der Notverschluss ist mit Hand zu betätigen. Es empfi ehlt sich, sofern kein Schmutzwasser abgelassen wird, den Notverschluss stets verschlossen zu halten.

• Fällt fäkalienhaltiges Abwasser aus Toilettenanlagen an, muss es in der Regel mittels einer Hebeanlage über die Rückstauebene gehoben werden. Bei Räumen untergeordneter Bedeutung, zum Beispiel in Einliegerwohnungen in Einfamilienhäusern, ist es bei Vorhandensein von natürlichem Gefälle auch gestattet, einen automatischen Rückstauverschluss nach DIN 19578 einzubauen. Dieser hat ebenfalls einen Betriebsverschluss und einen mit Hand zu betätigenden Notverschluss und ist selbstverständlich auch für fäkalienfreies Abwasser geeignet. Bringen Sie die vom Hersteller mitgelieferte Anleitung deutlich sichtbar in unmittelbarer Nähe des Verschlusses an.

• Wählen Sie stets den richtigen Einbauort für Ihren Rückstauverschluss. Es dürfen gezielt nur die Ablaufstellen, die unter der Rückstauebene liegen, geschützt werden. Leitungen aus Obergeschossen und Dachentwässerungen müssen ungehindert ablaufen können. Bauen Sie deshalb Ihren Rückstauverschluss auf gar keinen Fall in den Revisionsschacht vor dem Haus ein. Sie würden damit im Rückstaufall Ihre gesamte Entwässerungsanlage absperren.

• Sorgen Sie für eine regelmäßige Inspektion und Wartung, damit Ihre Rückstauverschlüsse im Bedarfsfall auch funktionieren. Nehmen Sie also Ihren Rückstauverschluss einmal monatlich in Augenschein und betätigen Sie den Notverschluss. Die Wartung ist mindestens zweimal im Jahr durchzuführen. Bei Rückstauverschlüssen für fäkalienfreies Abwasser soll nach DIN 1986 Teil 32, die Anlage von einem Fachkundigen gewartet werden. Bei Rückstauverschlüssen für fäkalienhaltiges Abwasser muss dies nach DIN 1986 Teil 33, durch einen Fachbetrieb erfolgen. Hauptsächlich bezieht sich die Wartung auf die Entfernung von Schmutz und Ablagerungen, Prüfung von Dichtungen, Kontrolle der Mechanik, Feststellen der Dichtheit und Funktionsprüfung. Der Abschluss eines Wartungsvertrages wird empfohlen.

• Hofflächen und Tiefeinfahrten in Kellergaragen, die tiefer als die Rückstauebene liegen, können bei Vorhandensein natürlichen Gefälles nur dann über Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 oder DIN 19578 entwässert werden, wenn geeignete Maßnahmen ein Überfluten der tiefer liegenden Räume durch Regenwasser bei geschlossener Rückstausicherung verhindern. Ansonsten muss Niederschlagswasser von Flächen unterhalb der Rückstauebene über eine automatisch arbeitende Hebeanlage rückstaufrei der öffentlichen Kanalisation zugeführt werden.

• Kellerlichtschächte sollten mindestens zehn bis 15 Zentimeter über das umgebende Gelände hochgezogen werden, um Eindringen von Oberflächenwasser zu verhindern. Dies gilt auch für die oberste Stufe von außen liegenden Kellerabgängen. Auch die Kellereingangstür sollte eine Schwelle von 10 bis 15 Zentimeter Höhe erhalten. Die relativ bescheidenen Niederschlagsmengen der Kellerabgänge können im Regenfall versickert werden. Ist dies nicht möglich und muss der Einlauf an die Entwässerungseinrichtung angeschlossen werden, ist er mit einem Bodenablauf gemäß DIN 1997 gegen Rückstau zu sichern.

Nähere Informationen und kompetente Beratung zur Rückstausicherung Ihrer Gebäude erhalten Sie bei den Fachbetrieben für sanitäre Anlagen und Installationen sowie Baufachbetrieben.

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