Respektperson und „Kumpel“ in einem

Hausmeister Karl-Heinz und Marc sind die „guten Seelen“ des Gymnasium Ernestinum.

von Sonja Weichert

Aktuell_Portrait_Hausmeister_Sonjas erste WahlWas machen eigentlich die Hausmeister am Gymnasium Ernestinum, wenn die Schulkinder nicht da sind? Etwa die langen Sommerferien genießen? Weit gefehlt: „Erstmal traurig sein“, wissen Karl-Heinz Lange und Marc Seifert zu berichten: „… wenn man tagtäglich von mehr als 1.100 jungen Menschen umgeben ist, fehlen sie einem, wenn sie weg sind“.

Viele Schüler sind den beiden Hausmeistern namentlich bekannt, aber nicht weil sie besonders auffallen, sondern weil man sich einfach untereinander mag. Das Verhältnis zwischen Hausmeistern und Schülern, das wissen beide, ist ein Geben und Nehmen: „… wir sind nett zu ihnen und bekommen es auch zurück“. Aber kann es eine so große Schule mit nur netten, lieben und zuvorkommenden Kindern und Jugendlichen geben? Natürlich nicht. Fast wie abgesprochen zertraten während des Gespräches zwischen den Hausmeistern und mir einige Jungs vor dem Raum Trinkpäckchen und wollten sie ungeachtet liegen lassen. Als Karl-Heinz das Fenster öffnete und fragte, wer es denn gewesen sei, meldeten sich sofort zwei Jungs und fingen an, den Müll wieder einzusammeln. „Respekt“, dachte ich, und Marc scherzte: „… jetzt ist er der Böse und ich der Gute“. Das machen die Beiden scherzhaft gerne einmal im Wechsel. Sicher auch einer der Gründe, warum die Schüler so nett und respektvoll über Karl-Heinz und Marc reden.

Aktuell_Portrait_Hausmeister_AusgabeNatürlich passen die Hausmeister nicht in erster Linie auf die Schüler auf, sondern kümmern sich um das Allgemeinwohl an der Schule. Karl-Heinz ist gelernter Elektroinstallateur und Marc Maschinenschlosser. Der Tag der Beiden beginnt mit dem Aufschließen des Gebäudes und der Oberstufenräume, der Infopoint wird hochgefahren und bis zum Unterrichtsbeginn ist die Aufsicht bei den Hausmeistern. Dann geht alles seinen gewohnten Gang. Marc fährt zur Post und Karl-Heinz schaut nach dem Rechten im Schulgebäude. Für die Pausen wird der Service für die Schüler vorbereitet, da gibt es nämlich neben Süßigkeiten auch Getränke und frisches Obst für den Energieschub. Auch Spielgeräte können dann am Stand ausgeliehen werden. Neben Fußbällen sind Handbälle, Tischtennisschläger und Badmintonschläger sehr beliebt in den Pausen. Aber auch die Picknick-Decken werden in der sonnigen Jahreszeit gern mitgenommen.

Aktuell_Portrait_Hausmeister_GebäudeUm die 40 Klassenräume hat die Schule und da ist immer mal irgendetwas, was in Ordnung gebracht werden muss. Mal klemmt das Fenster, Wände brauchen einen neuen Anstrich, die Glühbirnen müssen getauscht werden oder die Stühle wackeln. Marc kümmert sich zurzeit viel um die Stühle, die mittels Schweißbrenner im Keller der Schule neuen Halt bekommen. Auch beim Ausbau des Computerraumes waren die Hausmeister fl eißig mit am Werk. Dazu kommen kleine Reparaturen wie schwergängige Wasserhähne, Spülkästen, die nicht richtig funktionieren, und vieles, vieles mehr. Wenn der „Grüne“ – so nennen die Schüler den Gärtner Markus Derau – Urlaub hat, übernehmen sie einen Teil seiner Aufgaben noch dazu. Abläufe koordinieren, wenn Handwerker in der Schule sind, ist ebenso ein Teil des Aufgabenbereiches: „Und natürlich helfen wir auch den Handwerkern!“

Auch die Schüler benötigen oft die Hilfe der beiden „guten Seelen“ der Schule. Da gibt es verstellte Codes der Spintschlösser und vergessene Sachen in den Räumen. Dazu werden die Klassenräume öfter einmal bedarfsgerecht umgestellt, sowohl für Prüfungen, als auch für Abendveranstaltungen. Dann wird auch schon mal im Schichtwechsel gearbeitet, damit das Abschließen der Schule gewährleistet ist. Zuvor wird natürlich im ganzen Gebäude kontrolliert, ob das Licht aus ist und die Fenster verschlossen sind. Fortbildungen werden dazu besucht, um natürlich im Fall der Ersten Hilfe für die Schüler da zu sein, aber auch in puncto Energieeinsparung und Reinigungsmaßnahmen.

Dass die Beiden viel Spaß an der Arbeit und Freude mit den Schülern haben, merkt man das ganze Gespräch über. Auf die Frage, was so das Spektakulärste oder Lustigste war, dass sie an der Schule erlebten, kommt spontan eine Geschichte: „Vor vielen Jahren versteckten Schüler einmal rohe Fische im Heizkörper über das Wochenende!“ Ich konnte mir sofort vorstellen, wie es in diesem Raum roch.

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