Pflanzenschätze: Weshalb Tulpen, Pfingstrosen & Co. einst kostbare Raritäten waren

Sie wurden mit Kosenamen belegt und in Gold aufgewogen, dienten Kaisern und Sultanen, um ihren Ruhm zu mehren und vernichteten mitunter ganze Existenzen.

Garten_Pflanzenschätze

Tulpen wurden einst in Gold aufgewogen – heute kann sich jeder an ihnen erfreuen. Foto: GMH/PRE

Verehrungswürde Frühlingsblüher

Tulpen gehören zu den geschichtsträchtigsten Pflanzen der Menschheitsgeschichte. Ihre Karriere begann – ähnlich wie die der Rose – in Persien. Dort zierten die heute als „botanische Tulpen“ bezeichneten Wildarten bereits um das Jahr 1050 die Gärten der Reichen und Mächtigen und im Osmanischen Reich wurden sie gar als heilige Blume verehrt. Rasch verbreitete sich die Kunde von der so hofierten exotischen Pflanze und als Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Zwiebeln nach Europa gelangten, entbrannte insbesondere in den Niederlanden alsbald eine ungezähmte Sammelwut. Adlige und betuchte Kaufleute wetteiferten um die prachtvollsten Sorten, was Tulpenzwiebeln zu begehrten Spekulationsobjekten werden ließ. Auch manch einfacher Bauer verlor Haus und Hof, als nach einigen Jahren zu viele Tulpen auf dem Markt waren und die Preise rapide sanken.

Pfingstrosen als Mitgift zur Hochzeit

Auch in China genossen einige Pflanzen einen Stellenwert, der weit über ihre Bedeutung als schmückendes Kleinod hinausging. Strauch-Pfingstrosen beispielsweise waren lange der Kaiserin und dem Kaiser vorbehalten. Selbst die deutlich darunter stehenden „Minister der Kaiserin“, die Stauden-Pfingstrosen, waren für ärmere Menschen kaum erschwinglich – was ihre Bedeutung aber noch steigerte und sie in den Augen vieler ebenfalls zum lohnenswerten Investitionsobjekt machte.

Kostbare Zierpflanzen, Gewürze und Genussmittel

Von der einst kostbarsten Orchidee, der Vanille, über den Teestrauch bis hin zum Kaffeestrauch standen zahlreiche für den Handel wertvolle Pflanzen zeitweilig unter strengem Schutz. Wer es wagte, diese Arten außer Landes zu schmuggeln, sei es als lebende Pflanzen oder als keimfähiges Saatgut, riskierte mitunter sein Leben, denn schon der Versuch wurde von manchen Staaten, später auch von einigen Kolonialmächten, mit der Höchststrafe belegt. Dennoch gelangten sowohl über Kaufleute als auch über wissbegierige Botaniker natürlich auch solche Pflanzen in andere Länder, wo man nach und nach ebenfalls hinter die Geheimnisse ihrer Kultivierung und Züchtung kam – ein ganz besonderes Wissen, dass Gärtnerinnen und -Gärtner bis heute hüten und erweitern.

 

 

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