Musik-Tipps

Beth Ditto  

Fake Sugar

Im März 2011 brachte Beth Ditto ihre Solo-Debüt-EP „De Construction“ auf den Markt, während sie mit ihrer inzwischen aufgelösten Band Gossip im Mai 2012 das letzte Album „A Joyful Noise“ veröffentlichte. Seitdem ist die 36-jährige Plus- Size-Sängerin vielen Betätigungen nachgegangen, denen die Musik nachstehen musste. So kann man sich heute nur noch schwer daran erinnern, dass Gossip bereits den Mainstream geknackt hatten und jeder darauf wartete, dass diese Band endgültig durch die Decke gehen würde. Doch Beth Ditto trieb sich lieber als Model und Designerin in der Modebranche herum, heiratete ihre beste Freundin und spielte im Film „Nocturnal Animals“ mit. Es gilt also durchaus etwas aufzuholen, wenn die Amerikanerin jetzt ihr Debütalbum „Fake Sugar“ in die Läden bringt. Beth Ditto? Da war doch mal was… Genau! Und dem hilft die Stil- Ikone auf die Sprünge, indem ihre Solosongs nicht so klingen wie auf der 2011er-EP, sondern wie der Hörer die letzten Zuckungen von Gossip im Kopf hat. Eine gute Entscheidung, ebenso wie die junge Produzentin und Songschreiberin Jennifer Decilveo zu verpfl ichten, die den musikalischen Mashup auf „Fake Sugar“ in die richtigen Bahnen lenkte. Beth Ditto bewegt sich mit den 12 Tracks auf „Fake Sugar“ auf einem poppigen Highway-Trip, der von ihrer großartigen Stimme und charmanten Melodien befeuert wird. „Fake Sugar“ ist Musik fürs Radio und die Tanzfl ächen dieser Welt. Die Songs strahlen eine ungewöhnliche Herzlichkeit aus und dürfen deshalb auch mal kitschig sein. Die fast schon aufbrausende Dringlichkeit früherer Gossip-Alben mag dabei vielleicht fehlen, doch wer sich so gekonnt der Popmusik verschreibt, darf seinen Stil gerne auf diese Art verändern.

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