Ich brauche ein neues Gelenk

Was man beachten sollte, wie man sich vorbereiten kann und was nach der Operation wichtig ist.

Von Tina Manolis, Physiotherapeutin

Gesund & Fit_Manolis_Tina_KViele Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens Probleme mit ihren Gelenken. Sehr oft sind die Knie und die Hüften betroffen und nicht selten wird zu einem Gelenkimplantat geraten. Nach der Operation sind die Patienten meist schmerzfrei, nicht aber komplett beschwerdefrei. Denn ein solcher Eingriff bringt andere Nebenwirkungen mit sich, die zu Schonhaltungen, Kraftverlust und Bewegungseinschränkungen führen können. Gesundes Muskel- und Nervengewebe wird zwangsläufig geschädigt.

Diese Nebenwirkungen hinterlässt nicht nur eine solche Operation, sondern jede, egal wo. Es entsteht Narbengewebe, das im Idealfall keine weiteren Probleme macht. Hin und wieder kommt es dennoch dazu, das Narben wulstig werden oder nicht vernünftig abheilen. Sobald der Betroffene das beobachtet, sollte er mit seinem Arzt sprechen und ihn um Hilfe bitten. Es gibt in Apotheken verschiedene Narbensalben, die bei fachgerechter Benutzung guten Erfolg bringen, ebenso kann die Narbe durch einen Dritten sehr gut behandelt werden. Hier sind Ergo- und Physiotherapeuten die richtigen Ansprechpartner, wenn sie über entsprechende Kenntnisse in der Narbenbehandlung verfügen. Zur Behandlung von Kraftverlust, Bewegungseinschränkungen durch verkürztes Gewebe und das Abtrainieren von Haltungsfehlern die vor oder durch die Operation entstanden sind, ist ebenfalls ein Physiotherapeut Ihr Ansprechpartner.

Ideal ist eine Behandlung, die sich individuell zusammensetzt und auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen mit all seinen Schwächen und Stärken eingeht. So hat nicht jeder Operierte den gleichen Trainings- und Fitness- Zustand vor der Operation. Wer vorher schon Sport getrieben hat und regelmäßig Bewegung hatte, wird schneller und besser auf die Beine kommen, als jemand der – auch aufgrund von Einschränkung durch Schmerzen- sich wenig bewegt hat und über eine schlechte körperliche Fitness verfügt.

Ein guter Trainingszustand verbessert außerdem den körpereigenen Stoffwechsel. Die Durchblutung und somit der Sauerstoffaustausch im Gewebe funktioniert besser und die Heilung kann so problemloser ablaufen. Man sollte also nicht erst nach der Operation damit anfangen, seine Kondition und Kraft zu verbessern, sondern weit im Vorhinein, um ein gutes Endresultat zu erzielen.

Nach der Operation sollte Ihr Therapeut Sie an dem Punkt abholen, an dem Sie stehen und nicht dort, wo sich der Rest der Gruppe befindet. Hierfür gibt es Behandlungspläne, die zugeschnitten werden können. Vorrangig ist erst einmal die Erhaltung bzw. Verbesserung der Beweglichkeit des Gelenkes. Dazu überweist der behandelnde Arzt den Patienten häufig zum Therapeuten, der dort eine Einzel-Therapie durchführt, und direkt am neu eingesetzten Gelenk arbeitet, wie auch an den umliegenden Strukturen, um diese zu dehnen (Muskel etc.) oder zu mobilisieren (Narben). Je nach Verlauf werden weitere Einzeltherapien verschrieben, oder, je aktiver der Patient, kann man auf einen schnellen Muskelaufbau zielen und den Betroffenen in kleine Gruppen an Geräten trainieren lassen. Diese Entscheidung liegt alleine beim Arzt.

Das A und O ist, wie in jeder Therapie, die Mitarbeit und Aktivität des Patienten. Therapeuten und Ärzte sind dazu da, Sie an die Hand zu nehmen, Ihnen zu erklären warum was wann gemacht wird, und Sie dann eigenverantwortlich ihre Übungen durchführen zu lassen und Sie auf dem Weg in ein schmerzfreieres Leben zu begleiten. Natürlich treffen diese Beispiele nicht nur auf Betroffene von Hüfte und Knie zu. Genauso ist es nach jeder Wirbelsäulenerkrankung ob mit oder ohne Operation, Schulterpathologien etc.

Das Zauberwort ist Individualität.

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