Hinter die Kulisse geschaut: Tausende von Strass-Steinchen und etliche Meter Paillettenband verarbeitet

von Sonja Weichert

Ob prunkvoll wie das glitzernde Gardekostüm oder die individuell an die Choreografie angepassten Kostüme beim Männerballett “Klosterelfen”; was da an Arbeit hinter steckt, mögen nur diejenigen vermuten, die des Nähens mächtig sind.

Aktuell_Portrait_Stahlhut_1Hinter der Kulisse, wo die fantasievollen Kostüme entstehen, steckt stundenlange Tüftelei und jede Menge Arbeit. Verena Stahlhut hat über viele Jahre dafür gesorgt, dass das Männerballett des Rintelner Carnevalsvereins gepflegt und stilvoll “verpackt” auf der Bühne den Auftritt meistert. Handarbeiten ist schon immer ein Thema für Verena Stahlhut. Bereits als junges Mädchen gehörte sticken, stricken und häkeln zu den Hobbys. Mit Mitte 20 fehlte dann nur noch das Nähen. Zwei Näh-Kurse besuchte die Handarbeitsliebhaberin dafür bei der Volkshochschule. Damit das neu Erlernte auch umgesetzt werden konnte, musste natürlich eine Nähmaschine her. Ein Dresdener Fabrikat der Firma “Naumann” war das Objekt der Begierde. Sie konnte außer geraden Nähten auch schon Zick-Zack-Stiche. Etliche Kinderkleidungsstücke für die beiden Söhne fanden darauf ihre Vollendung. Doch dann verschwand das gute Stück über viele Jahre wieder in der Versenkung.

Aktuell_Portrait_Stahlhut_3Als niedersächsische Landesbeamtin begann Verena Stahlhut neben Kindern und Haus wieder in ihrem gelernten Beruf als Vermessungstechnikerin zu arbeiten und so war der Tag mehr als ausgebucht. Viele, viele Jahre später, genau genommen 2008, suchte der Carnevalsverein Mittänzer für die „Klosterelfen“. Karl-Heinz Stahlhut schloss sich ihnen an und so begann für Ehefrau Verena auch die Zeit für die bis heute zahlreich genähten Kostüme.

„Ich bin in Rinteln geboren, aufgewachsen und auch geblieben – ehrenamtlich für andere einzutreten gehört für mich dann auch dazu.“ Gemeinsam mit Marion Steding entwarf Verena Stahlhut dann die fantasievollen Kostüme. Wenn es passende Schnitte dazu zu kaufen gab, mussten diese extrem auf so manche Männerkörper umgearbeitet werden. Meterweise Packpapier diente dafür als neue Schnittmustervorlage. Bei den Samba-Kostümen war die Grundkonstruktion ein Badeanzug und alles andere wurde darauf gearbeitet.

Aktuell_Portrait_Stahlhut_2Wichtig dabei immer: “Die Männer sollten die Leute zum Lachen bringen, sich aber nicht lächerlich machen.“ Weitere Kostüme wurden dann aus Brautkleidern, Schwimmanzügen, Frack und Zylindern und Blumenblättern, die sich öffnen und schließen ließen, gefertigt. Dazu auch die Kostüme für das Dreigestirn (Fürst, Kanzler und Till). Unzählige Meter Paillettenband und tausende von Strass-Steinchen wurden so für die Auftritte der „Klosterelfen“ verarbeitet.

Jetzt ist jedoch die Zeit gekommen, sich auch um die andere Dinge des Lebens zu kümmern. Vera Stahlhut ist viel in der Natur unterwegs, gestaltet und verschönert gerne ihren Garten, spielt Akkordeon für den Hausgebrauch und macht Kirchenaufsicht in der St. Nikolaikirche. Die Nähmaschine, seit letztem Jahr ein neues Modell, wird jetzt nur noch für kleine Reparaturarbeiten an den Kostümen herausgeholt und für Änderungen der Kostüme der neu gegründeten Garde des Carnevalsvereins. Da heißt es dann anpassen an die Figuren der jungen Damen und die Hüte aufarbeiten und mit Gummiband fixieren, damit sie bei den Auftritten auch da bleiben, wo sie sollen. Wie sehr die Stahlhut’s der „Narrenzeit“ verbunden sind, zeigt, dass sich Beide bereits zur Kindergartenzeit als Hänsel und Gretel begegneten.

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