Herbert Grönemeyer: Dauernd Jetzt

Multi_CD_DauerndjetztObwohl Herbert Grönemeyer (58) mit mehr als 13 Millionen verkauften Tonträgern zu den Supertankern der Popmusik zählt, kann ihm nicht nachgesagt werden, dass seine Alben grundsätzlich auf den leichtverdaulichen Geschmack der Masse zugeschnitten wären. Der Wahl-Londoner schreckt nicht vor Experimenten zurück und pendelt zwischen poppigen, rockigen und elektronischen Elementen. Das führt dazu, dass Longplayer Nummer 14, „Dauernd Jetzt“ nicht unbedingt ein Paradebeispiel in Sachen Eingängigkeit ist. Dabei hat Herbert Grönemeyer schon mit der ersten Singleauskopplung „Morgen“ wieder eine großartige Hymne geschaffen, in der er plötzlich nicht mehr so sehr knödelt (der Hörer versteht tatsächlich den Text!). Ein Stück, das sich langsam entwickelt und Zeit braucht, weil dem Hörer der Refrain nicht wie sonst üblich brachial mehrfach um die Ohren gehauen wird. Dagegen wird im darauffolgenden „Wunderbare Leere“ umso mehr gerockt und geknödelt, was sich im Verlauf des Albums als absolute Rarität herausstellen soll. „Dauernd Jetzt“ ist ein sehr stark von Balladen und ruhigen Titeln wie „Verloren“, „Pilot“, „Neuer Tag“ oder auch „Fang mich an“ geprägtes Album geworden. Mit dieser charakteristischen Melancholie fordert Herbert Grönemeyer den Hörer heraus. Denn er passt sich mit seinen Songs der jahreszeitbedingten Herbststimmung an und zieht sein Konzept konsequent durch. Damit bleibt er sich treu, indem er sein neues Album unter ein imaginäres Banner stellt. Und so wird aus vergangener Wut, Angst und Hoffnung heuer eben Melancholie.

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