Grün auf kleinstem Raum: Kletterpflanzen wollen hoch hinaus

Ein Hinterhof, eine Hausfassade an der Straße, ein Balkon oder eine Terrasse – es gibt viele Orte, die manchmal trist wirken und dringend etwas Lebendigkeit und Grün vertragen könnten. Allein der Platzmangel scheint für viele Besitzer ein Hindernis zu sein, ihr Lebensumfeld zu begrünen. Dort, wo die Räume so klein sind, dass kaum etwas wächst, bieten Kletterpflanzen jedoch wunderbare Möglichkeiten für Hobbygärtner.

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Foto: W. Kruse/clematis.de

Ihre Kletterkünste ermöglichen es nämlich, Wände, Mauern und Zäune großflächig zu begrünen. Das Ergebnis wirkt umso beeindruckender, wenn sie auf Flächen wachsen, wo niemand mit einer so üppigen Bepflanzung rechnet. „Es gibt verschiedene kletternde Gehölze, die unterschiedlich hoch wachsen und dabei relativ wenig Platz zum Wurzeln brauchen”, erklärt Wilhelm Kruse, Inhaber der gleichnamigen Clematis Baumschule in Melle und Mitglied im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. „Das Sortiment der Kletterpflanzen ist groß: Einige bilden im Sommer farbenprächtige Blüten, die Bienen und Schmetterlinge anlocken, manche haben eine intensive Herbstfärbung und andere tragen auch im Winter grünes Laub.” Die zuletzt genannten haben den Vorteil, dass die Besitzer das ganze Jahr von der dämmenden Wirkung der Blätterwand profitieren. An einer Hausfassade hält die Blätterwand den Lärm, im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte draußen. Darüber hinaus filtern Kletterpflanzen auch Feinstaub.

Selbstklimmer

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Foto: W. Kruse/clematis.de

Im Gegensatz zu Bäumen und Sträuchern bilden Kletterpflanzen keinen Stamm oder ein sich selbst tragendes Gerüst aus Ästen. Stattdessen haben sie unterschiedliche Strategien aus, um sich an einem Gerüst festzuhalten. Das kann eine andere Pflanze sein, eine Seilkonstruktion oder ein Gitter. Grundsätzlich gilt, dass das Pflanzgerüst sehr stabil sein muss, denn die Pflanzen entwickeln teilweise ein erhebliches Gewicht. Manche Kletterkünstler können sogar an einer flachen Wand empor wachsen – die sogenannten Selbstklimmer. Bestes Beispiel ist der Wilde Wein (Parthenocissus tricuspidata), der mit Hilfe seiner Haftwurzeln auch sehr hohe Häuserwände bedeckt. Im Herbst verwandelt er sich in ein leuchtend rotes Blätterbild, das schon von weitem ins Auge fällt. Auch der immergrüne Efeu ist ein Selbstklimmer. „Die Sorge vieler unserer Kunden, Kletterpflanzen könnten das Mauerwerk oder den Dachstuhl beschädigen, ist unbegründet”, erläutert Kruse „Lediglich bei sehr empfindlichen Oberflächen sollte man in Betracht ziehen, ein Gerüst vor die Fassade zu bauen, an dem die Kletterpflanze wachsen kann. Mögliche Risse in der Hauswand, sollte man im Vorfeld versiegeln. Generell ist es ratsam, sich in der Baumschule vor Ort persönlich und kompetent beraten zu lassen.”

Gerüstkletterer: Clematis, Weinrebe & Blauregen

Die Kletterpflanzen, die keine Haftwurzeln bilden, sondern ein Gerüst zum Klettern benötigen, nennt man Gerüstkletterer. Einige davon fallen durch ihre Rankorgane auf, mit denen sie sich an der Kletterhilfe „festhalten”. Zur Gruppe der Rankpflanzen gehören etwa die Waldrebe (Clematis) und die Weinrebe (Vitis vinifera). Waldreben sind in einer großen Artenvielfalt mit unzähligen Blütenfarben, -mustern und -formen erhältlich: in Rosa, Violett, Weiß und Blau, zweifarbig, gestreift, duftend und gefüllt. Die sommerblühende Schönheit bevorzugt Standorte, an denen ihr Wurzelbereich im Schatten liegt. Außerdem empfiehlt es sich, Staunässe zu vermeiden – etwa durch eine Drainageschicht. Besonders auf sehr kleinem Raum, sollten die Pflanzen nicht zu nass stehen. Eine weitere Gruppe von Kletterpflanzen ist die der Schlingpflanzen, zu denen etwa auch Heckenkirschen (Lonicera) mit ihren zarten Blüten und dunklen Beeren zählen. Sie winden sich spiralförmig an Pfählen und Stangen empor. Eine besonders schöne Vertreterin dieser „Winder” ist der Blauregen (Wisteria). Seine Triebe verholzen zu langen Lianen. Beliebt sind sie vor allem aufgrund ihrer großen, hängenden Blütendolden, die im Mai blauviolett leuchten und intensiv duften. Bis zum Herbst bildet der Blauregen dann eine dichte Blätterwand. Wilhelm Kruse: „Beim Blauregen ist zu beachten, dass die Kräfte dieser Schlingpflanze häufig unterschätzt werden. Er sollte nur an stabilen Pfählen wachsen – nicht etwa an einer Regenrinne, da diese leicht Schaden nehmen kann.”

Kletterrosen & Winterjasmin

Eine der attraktivsten Gartenpflanzen ist die Kletterrose (Rosa). Sie gehört zu den sogenannten Spreizklimmern. Diese klettern, indem sie ihre Triebe „verspreizen” und an das Gerüst anlehnen. Hier kann es nützlich sein, einzelne Zweige am Gerüst aufzubinden. Der Klassiker ist dabei der Rosenbogen. Eine weitere attraktive Variante ist es, Rambler-Rosen (von englisch ramble – umherschweifen) in Obstbäume wachsen zu lassen. Auf diese Weise stehen die Bäume zweimal in der Blüte: einmal im Frühling und ein zweites Mal zur Rosenblüte im Sommer. Wer dann noch einen Spreizklimmer haben möchte, der auch im Winter blüht, wählt einen Winterjasmin (Jasminum nudiflorum).

(Quelle: BdB)

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