Giovanni’s Welt im Dezember: Ja, früher…

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Ja, früher…

Es ist schon sonderbar, wie sich im Laufe eines Lebens Ansichten, Geschmäcker oder Vorlieben wandeln. Als Jugendlicher war es cool, endlich heimlich mit Freunden eine Zigarette zu rauchen. Allerdings zahlten wir um 1960 für eine 10er Packung auch nur 1 Mark. Heute stehen wir Raucher frierend vor irgendwelchen Lokalitäten, oder auch zu Hause auf der Terrasse und inhalieren schlotternd den giftigen Qualm. Was mich betrifft, fluche ich häufig dabei, in dem ich meine Schwäche oder Blödheit anprangere, weil ich dieser ungesunden Sucht nicht längst widerstehe. Heute kostet ein Glimmstängel statt 10 Pfennig fast das 6-fache. Früher musste auch alles laut sein. Am ersten Moped, für uns damals Kreidler oder Hercules, wurde geschraubt und frisiert. Wenn wir dann lärmend durch die Stadt fuhren, fühlten wir uns wie Helden, und die heißen Blicke der Mädchen auf den Bürgersteigen waren uns sicher. Sie standen da, in ihren Kleidern mit Petticoats (z. B. 1960 von Neckermann, Marke Gina für 14,50 DM) und lächelten uns zu. Wenn ich heute vor einem Café sitze und ein Auto mit Sportauspuff und extra hoher Drehzahl ohrenbetäubend vorbeifährt, höre ich mich nur ein leises „Idiot“ murmeln.

Früher waren wir Jungs in jeglicher Weise sportlich orientiert. Ich versuchte mich im Handball-, Fußball- und Turnverein, war bei den Leichtathleten, nur das Boxen habe ich weggelassen. Da ich überall nur mittelmäßig bis schlecht war, spielte ich ein Jahr auch im Schachverein. Meiner Liebe zur Musik war es verschuldet, dass es mich als junger Kerl sogar dreimal zu einem Männergesangsverein verschlug. Doch die dort vorgetragene Musik war nicht die Meine. Ich hörte lieber die Songs von Elvis, den Beatles und den Rolling Stones. Was meine jetzige Sportlichkeit angeht, bin ich auf einem bequemen Sessel sitzend Fan von Sky und Bundesliga. Wenn man das Skatspielen auch als Sportart bezeichnet, sehe ich mich als ein leidenschaftlich sportlicher Kartenspieler. An dieser Stelle einen lieben Gruß an Heinrich und meine lieben acht Skatbrüder aus Rinteln. Als Jugendlicher schenkte man der Natur wenig Beachtung. Berge, Sonne und Meer, gepflegte Parkanlagen und Blütenpracht waren nur nützliche Dekoration, um sich heimlich mit seiner Liebsten zu treffen. Die Schönheit der Augen, die sich erwartungsvoll öffnenden Lippen zum ersten Kuss und das duftende toupierte Haar der neuen Freundin waren das Maß aller Dinge. Heute freue ich mich über den Duft einer Rose, die sich in der Morgensonne in unserem kleinen Garten gerade in voller Pracht öffnet. Man streichelt sanft über die Blütenblätter und lauscht dabei selbstvergessen dem Gesang der Vögel.

Oh, mein Gott, was erzähle ich hier? Ich sitze gerade am frühen Morgen hinterm Haus auf unserer Terrasse und schreibe an meiner Kolumne. Jetzt aber Schluß mit dem Blödsinn. Ich hole mir einen Pott Kaffee und rauch erstmal eine…

Euer Giovanni

 

 

 

 

 

 

 

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