Giovanni’s Welt im August

Das verlorene Paradies …

Giovannis_WeltDer liebe Gott sagte: „Eva, ich sag‘s nur einmal, beiß nicht in den Apfel!“ Doch Eva hörte weder auf den lieben Gott noch auf ihren Adam. Sie biss einfach zu! Entweder war sie frech, ungehorsam, blöd, frühemanzipiert oder schlichtweg nur hungrig. Die Folgen waren verheerend. Alle, und auch die folgenden Tausend Generationen später, mussten für alle Zeiten das Traumland, namens Paradies verlassen. Uns wären vermutlich die Sintflut, Erdbeben, Weltkriege, Atomkraftwerke, Krebs, Aids, Rinderwahn, Hurrikans, Tsunamis, Hungersnöte, böse Diktatoren und unnütze Sachen wie Facebook oder das Dosenpfand erspart geblieben.

Der deutsche Dichter Hermann Hesse sagte einmal: „Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden.“ Vermutlich meinte er das nur symbolisch, aber seit jenem Morgen, ich saß allein hinter unserem kleinen Reihenhaus auf der Terrasse, bin ich anderer Meinung. Es war fast still, nur die Vögel flogen von links und rechts munter und zwitschernd durch die Luft. Der Himmel war strahlend blau und Schmetterlinge flatterten lautlos über ein sattes Grün und bunte Blüten. Ich erfreute mich an unseren Rosen, die leuchtend rot, weiß und gelb und in all den Zwischentönen ihre Köpfe aus den Blättern stecken. Sie klettern an Wänden hoch, ranken über Torbögen und überwuchern die Töpfe, in die wir sie neulich gepflanzt hatten. Verträumt dachte ich an unseren kürzlich erlebten Familienausflug zum Steinhuder Meer. Bei sommerlichem Wetter hatte uns ein Freund zu Segeln eingeladen. Anschließend wurde gegrillt und friedlich auf einer Bank sitzend erfrischten wir uns an einigen Flaschen wohltemperierten Bieres und einer kühlen Brise vom glitzernden Meer im Sonnenuntergang.

So kam ich irgendwann friedlich und still sitzend auf meinem gemütlichen Gartenstuhl (… und wirklich nüchtern) zu der Erkenntnis, wir sind gar nicht aus dem Paradies vertrieben worden. Es ist hier, … jetzt … und immer allgegenwärtig. Die Kunst und der Trick, es so wie ich in diesem Moment zu empfinden, ist eigentlich ganz einfach. Wir müssen nur den Knopf oder Hebel in unserem Kopf finden, der unsere Probleme und Sorgen abschaltet. Er bläst den Nebel weg, der uns fast blind macht, und plötzlich sehen wir sie, unsere wunderschöne Welt…

Euer Giovanni

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