Giovanni’s Welt im April: Krankenhaus…

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Die Wege zum Krankenhaus sind selten beliebt. Besonders die nervigen Pflichtbesuche zu Freunden und Verwandten, denen man zwar gerne eine gute Besserung wünscht, aber die Atmosphäre in diesen sterilen Räumen und der Anblick der vielen von Not und Elend geplagten Gesichter ringsumher, erzeugen schon eine bedrückende Stimmung. Da sind selbst Vorladungen zum Finanzamt oder Zahnarzt angenehmer zu ertragen, obwohl…, aber lassen wir das.

Ich selbst musste dieser Tage notgedrungen auch in eines dieser Gebäude mit den vielen weißen Zimmern und Metallbetten. Ein verschleppter Bruch, mittlerweile faustgroß an meiner linken Leiste zwang mich zu diesem Schritt. Mutig und verwegen betrat ich die mir zugewiesene Station. Weibekittelte Damen, die sich Schwestern nannten, begrüßten mich freundlich. Schon händigte man mir meine OP-Kleidung aus, ein hinten offenes Hemdchen und eine sonderbar sexy Netzunterhose. Dann folgte eine kleine Pille, die man mir lächelnd als „Scheißegal-Tablette“ anbot. Wenig später entschlummerte ich sanft in einen süßen Schlaf. Nach gefühlten fünf Minuten schlug ich schon wieder die Augen auf, und alles war bereits passiert und erledigt. Überrascht und für mich fast unglaublich stellte ich fest, dass ich kaum Schmerzen oder sonstige Wehwehchen verspürte. Ich war quasi schon geheilt…!

Jetzt sitze ich hier fit wie ein Turnschuh und schreibe meine kleine Story für den Rintelner. Ich bin noch immer in dieser sagrotan-duftenden Bettenburg und neben mir liegen meine lieb gewonnenen Zimmergenossen. Jeder hat so nach und nach mit jedem seine Lebensgeschichten ausgetauscht. So erfuhr ich alles über ihre Ehefrauen, Affären, Kinder, Scheidungen und Todesfälle.

Auch einige der liebenswerten Krankenschwestern sind mir und meinen neuen Kameraden ans Herz gewachsen. Sie scherzen gerne aufmunternd mit uns Patienten und wenn sie das Zimmer verlassen, schicken die eben noch Sterbenskranken ihnen mit einem langen Hals einen sehnsüchtigen Blick hinterher.

Vor der Eingangstür des Krankenhauses treffen sich die Raucher. Sie stehen da in ihren Morgenmänteln, Jogginganzügen, mit und ohne Krücken, mit Schläuchen und Beuteln behangen und rauchen und qualmen, als hätte es eben zur letzten Stunde geschlagen. Ich kann es von meinem Fenster aus gut beobachten und manchmal weht ein Hauch von Tabakduft zu mir herüber. Wehmütig halte ich meine Nase in diese Richtung, um einen Augenblick später meinen Riechkolben stolz in die Höhe zu reißen und meine innere Stimme sagen zu hören: „Diese armen Kranken quarzen und husten sich noch ihre Lunge aus dem Hals und ich tapferer Krieger habe seit fünf Tagen keine Zigarette mehr angefasst…!“

Meinen Weg ins Krankenhaus werde ich daher vielleicht sogar in liebevoller Erinnerung behalten.

Euer Giovanni

 

 

 

 

 

 

 

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