„Geschichte heißt Erinnern für die Zukunft“

Seit 15 Jahren ist Dr. Stefan Meyer Leiter des Museums Eulenburg und zugleich Stadtarchivar.

von Sonja Weichert

Aktuell_Portrait_Meyer_PortraitDas Interesse an der Geschichte und Landeskunde war bei ihm schon immer da. „Dazu musste ich mich nie motivieren“, so Dr. Stefan Meyer. Dass es aber sein Beruf werden würde, war nicht so selbstverständlich. Auch Rechtsanwalt oder Architekt hatte ihn gereizt und es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre in diese Richtung abgebogen. Aber zurück zur Person. Nach Abitur und Zivildienst begann Meyer erst einmal ein Studium der Geschichte und Geographie, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur in Hannover und Salzburg. Dort lernte er auch seine Frau Ingrid kennen, mit der er heute drei gemeinsame Kinder hat. Die Magisterarbeit schrieb er über die Gefängnisse im 19. Jahrhundert und den damaligen Strafvollzug. Dr. Stefan Meyer promovierte dann mit der Biografie des Fürsten „Georg Wilhelm zu Schaumburg- Lippe“. Während seines Studiums arbeitete er neben üblichen Studentenjobs immer wieder auch als archäologischer Grabungshelfer in Bayern, in Nienburg und sowie bei der Freilegung der mittelalterlichen Posteburg beim Hülseder Ortsteil Schmarrie. Für den heutigen Leiter des Arbeitskreises Archäologie und Kulturlandschaft gibt es da immer mal wieder Anknüpfungspunkte.

Die Eltern aus Rinteln, geboren in der Obersburg bei Rehren, aufgewachsen in Hemmingen bei Hannover führte es ihn nach dem Studium eher zufällig in die Heimatstadt seiner Eltern zurück. Hier fand er zunächst eine Anstellung im Stadtarchiv und gestaltete von 1998 bis 2000 das Museum Eulenburg um.

Im Museum erarbeitete er die Inhalte der neuen Dauerausstellung und übernahm 2001 die Leitung anstelle von Susanne Slanina, die an das Museum Amtspforte in Stadthagen wechselte. 2006 wurde er in die Historische Kommission für Niedersachsen berufen, von 2004 bis 2013 war er Sprecher der Museen des Weserberglandes.

Alle Museen sind Gemeinschaftsprojekte von vielen, meist ehrenamtlichen Aktiven, und auf das Rintelner Museum in der Trägerschaft des Heimatbundes der Grafschaft Schaumburg trifft dies besonders zu. Meyer sieht sich entsprechend vor allem als Vermittler und möchte Bürgerinnen und Bürger aller sozialen Gruppen ermuntern, sich mit der Geschichte, Kultur und Landschaft ihrer nächsten Umgebung auseinanderzusetzen und zu identifizieren. „Die Erinnerung“, sagt Meyer, „soll letztlich der Zukunft dienen. Regionale Identifikation und Heimatgefühl verlieren für die Menschen nicht an Bedeutung, im Gegenteil, sie werden als ruhender Punkt und Quelle für das politische, soziale und kulturelle Engagement in Zukunft eher wichtiger werden“, ist Meyer überzeugt.

Seit 1879 werden in Rinteln gezielt Exponate für das Museum gesammelt und bereits seit den 1830er Jahren gab es in Rinteln wechselnde Geschichtsvereine, deren Nachfolger der Heimatbund ist, in dem Dr. Stefan Meyer geschäftsführende Funktion hat. Die Vorsitzenden des Vereins sind Dr. Reinhard Kniewske und Otto von Blomberg aus Nienfeld.

Die größten Schätze im Museum sind archäologische Funde und bibliophile Kostbarkeiten, seltene Drucke, Kaseln (Priestergewänder), Kirchenfenster aus dem 15. Jahrhundert und hunderte Bücher von Professoren aus Rintelns Universitätszeit. Aber auch alte Zunftbriefe und Dokumente, eine 6.000 Bände umfassende Bibliothek und mehr als 10.000 historische Fotos aus der Stadt und ihren Ortsteilen gehören zu den Sammlungen. Aktuell ist im Museum „Eulenburg“ die Ausstellung „DDR. Schlaglichter auf Staat und Alltag“ noch bis zum 19. April zu sehen. Anfang Mai gibt es dann „Originale Zeichnungen und Gemälde von Wilhelm Busch“ zu bewundern.

Dr. Meyers langjährige Erfahrungen bringt er in verschiedenen Arbeitskreisen zu Archäologie und Stadtgeschichte ein. In Rinteln engagiert er sich unter anderem bei Schulprojekten, hält Wanderausstellungen im Museum vor, die man jederzeit aktivieren kann, wie zurzeit die im Gymnasium Ernestinum „Kriegsende 1945 im Schaumburger Land“.

Neue Projekte stehen im Museum mit der Erneuerung der Uni-Abteilung an. Ein Modell des ehemaligen Universitätsgeländes im Maßstab 1:100 ist derzeit im Bau und soll Ende des Jahres fertig sein. Mehr als 120 Führungen werden im Jahr im Museum durchgeführt, dazu Stadtführungen, Vorträge und Buchvorstellungen, in den kommenden Wochen sollen Audio-Guides die Dauerausstellung noch interessanter machen.

Neben dem Museumsleiter gibt es aber auch den Privatmann Dr. Stefan Meyer, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern in der Nordstadt wohnt. Besondere Hobbies zur Freizeitgestaltung, abgesehen von Wanderungen, Radtouren und Reisen, verfolgt Meyer nicht – allerdings:

„Ich setzte mich dort ein, wo ich glaube, dass es nützlich ist“. Aktuell ist es die BI-Transit, die den Ausbau der Weserbahn zur Güterhauptstrecke mit bis zu 180 Zügen pro Tag verhindern will.

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