„Gehaltvoll saftig-lebenspralle Komödie“: Der Revisor

Das Leben könnte weiterhin so schön sein in der abgelegenen Kreisstadt, wo jeder seine Pfründe sichert, rücksichtslos seinen Vorteil sucht und seine Amtsstellung missbraucht, um möglichst wenig zu leisten, aber umso mehr zu erreichen. Jeder nutzt weidlich über Gebühr seinen Posten aus. Man hat sich eingerichtet. Und dann schreckt eine Nachricht unsere Helden auf: ein Revisor soll kommen! Oder ist er sogar schon da!?

Aktuell_Komödie_Der-Revisor_FlyerDie Komödie wird am Samstag, 27. Februar um 20.00 Uhr im Rintelner Brückentorsaal aufgeführt. Das Ensemble der Schaumburger Bühne widmet sich in der neuen Saison dem turbulenten Komödienstoff eines russischen Klassikers: Der Revisor von Nicolai Gogol. Von Gastspielbühnen kaum gespielt, da es so viele Rollen birgt, inszeniert Regisseur Jürgen Morche das Stück als „gehaltvoll saftig-lebenspralle Komödie” und seziert die einzelnen Charakter vorsichtig heraus, um sie in einem bunten Bühnentreiben wieder gegeneinander zu setzen.

Was wird dem Revisor alles auffallen? Was gilt es besser zu vertuschen? Wer könnte wem erhebliche Schwierigkeiten bereiten? Wer hat wo staatliche Gelder unterschlagen? Jeder hat so seine Leiche im Keller. Sibirien heißt das Schreckgespenst, Bestrafung, Verbannung, weit weg, unwirtlich und kalt! Wie, zum Henker, kann man sein bequemes Leben retten? Es wird betriebsam in der Provinz, Strategien werden entwickelt, verworfen, neue Pläne geschmiedet, Geld kommt ins Spiel, mehr Geld. Bisher hatte jeder seinen Preis.

Nikolai Gogols Komödie wurde im zaristischen Russland von staatlicher Seite zuerst nicht freigegeben, dann erlaubte jedoch der Zar persönlich die Erarbeitung (da keine Kritik am Militär und der Kirche vorkam) und nach der Uraufführung sagte er gutgelaunt: „Heute haben alle etwas abbekommen, und ich am meisten!“. Das Stück wurde ein großer Erfolg. Man munkelt, es decke in satirisch überhöhter Form herrschende Missstände auf und tatsächlich wurde es von revolutionären Kräften sogar als Signal zum Aufruhr begriffen. Gogol war davon völlig irritiert, fühlte sich missverstanden und verließ Russland. Er reiste nach Deutschland, verbrachte einen Monat in der Spielbank Baden-Baden, fuhr dann weiter in die Alpen und bestieg dort den Montblanc…

Bei der aktuellen Inszenierung der Schaumburger Bühne unter der Regie von Jürgen Morche muss der Zuschauer keine Berge erklimmen, darf sich aber in die weiten Höhenzüge einer großen russischen Komödie begeben. Eintrittskarten zum Preis von 13,- € gibt es bei der Schaumburger Zeitung, weitere Infos erhalten Sie beim Kulturring Rinteln e.V., (05751) 2229.

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