Ein schöner Rücken kann auch entzücken

Gesund & Fit_Sondermann_MartinVon Martin Sondermann, Heilpraktiker, Osteopath

Viele Jahre habe ich mich dem Turnier-Tanzsport gewidmet. Erst einige Jahre bei den Amateuren, danach trainierte ich für die Profi-Liga der Standardtänze. Es ist etwas wunderbares manchmal ein Gefühl der Leichtigkeit zu erreichen, als schwebe man über die Turnierfläche. Rhythmische Bewegungen, die auf den Punkt genau zwei Menschen im Einklang der Musik harmonisieren müssen.

Heute trainiere ich nicht mehr, aber den Blick auf Bewegungsabläufe und Körperhaltung habe bis heute nicht verloren.

Vor kurzem besuchte mich ein Bekannter. Wir standen in unserer Küche und plauderten über dies und das. Ich bot ihm einen Stuhl an, jedoch fasste er sich auf den unteren Teil seines Rückens und erzählte mir mit leicht Schmerz verzerrtem Gesicht über seine zwei Bandscheibenvorfälle in den Lendenwirbeln. Nach 200 Km Autofahrt wollte er lieber stehen bleiben. Im Tanzsport hätte ein kritischer Blick auf seine Körperhaltung gezeigt, das seine Schulterlinie nicht gerade und sein Kopf zu einer Seite hin geneigt ist. Mit einer solchen Köperhaltung wird Tanzen zu einem schwierigen Balanceakt. Besondere bei schwungvollen Drehungen das Gleichgewicht halten ist unter diesen oder ähnlichen Bedingungen nahezu unmöglich. Scheinbar ist sein Rücken der gleichen Meinung und quittiert die Fehlhaltung mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule.

Jahrelanges Tanzen gepaart mit einer Ausbildung zum Osteopathen prägen eben, deswegen kann ich natürlich meinen Mund nicht halten. Ich fragte ihn also, ob seine Fehlstellung schon mal behandelt wurde. Zu meiner Verblüffung erzählte er mir, dass er zwar in orthopädischer Behandlung war und er den schief stehenden Kopf schon seit der Kindheit hat. Es war ihm aber neu, dass man so etwas korrigieren kann. Kein Arzt hatte ihn bisher darüber aufgeklärt.

Gesund & Fit_Sondermann_Frau-vorher-3-kor

Vorher: Schultern leicht vorgebeugt, Oberkörper verdreht, Kopf nach rechts geneigt.

Gesund & Fit_Sondermann_Frau-nachher-3-kor

Nachher: Schultern wieder in Normalstellung, Oberkörper aufrecht, Kopf senkrecht.

Ich habe ihm dann ein wenig über Osteopathie erzählt und das Osteopathen keine “Knochenbrecher” sind. Sie sind mehr die Feinmechaniker, sehen mit ihren Augen und Händen, was oftmals Röntgen- oder MRT-Aufnahmen verborgen bleibt. In einem solchen Fall würde sich ein Osteopath zunächst nicht auf den Schmerz in der Lendenwirbelsäule konzentrieren, sondern wie ein Tanzsporttrainer immer den gesamten Menschen betrachten. Sie lösen mit sanften, kaum spürbaren Techniken Blockaden an den Gelenken und Wirbeln und helfen Muskeln sich wieder zu entspannen. Die linke Darstellung zeigt beispielhaft die mögliche Auswirkung einer Atlas-Fehlstellung vor der Behandlung. Die osteopathische Behandlung des ersten Halswirbels (Atlas-Wirbel) ist oft so entspannend, das meine Patienten in ein leichtes Wachkoma fallen oder ganz einschlafen. Das ist nicht ungewöhnlich. Durch Lösung der Fehlstellung kann sowohl das Blut wieder ungehindert zum Gehirn und wieder zurück fließen als auch die Nerven unseres vegetativen Nervensystems ohne beklemmende Einschränkung ihren Job machen. Nach Abschluss der Behandlungen beschreiben meine Patienten diese Veränderung oft als Klarheit im Kopf und ein Gefühl der Entspannung. Häufig reichen zwei Behandlungen im Abstand von 2-3 Wochen aus, den Rest erledigt dann der Körper wieder selbst. Der gesamte Körper kann sich wieder aufrichten, was die zweite Darstellung nach einer Behandlung beispielhaft zeigen soll.

Versuch macht klug, so seine Worte. Mal sehen, ob er wirklich den von mir empfohlenen Osteopathen an seinem Wohnort aufsucht. Ich gehe davon aus, dass nach der Behandlung seine Migräne-Attacken auch der Vergangenheit angehören.

Über den Autor