Die immer lacht…

Giovannis_Welt

Mein Job als Berufsmusiker – zuständig für Spaß und Partymusik – ist auch nicht immer leicht. Aber ich darf mich nicht beklagen, denn andere Berufe sind viel schlimmer. Ich denke dabei an “Staubschlucken” unter Tage oder faule Zähne zu reparieren, verstopfte Abwasserkanäle reinigen, Müll sortieren oder als Putzfrau anderen Leuten bei schlechter Bezahlung den Dreck wegzuräumen. In Sachen Musik meine ich, dass wir oft Lieder vortragen müssen, die wir selber wenig bis gar nicht mögen. Auf jeder Veranstaltung seit 2007 war der Song “Du hast mich tausendmal belogen” das Maß aller Dinge. Nach ca. 6 Jahren kam 2013 endlich die Ablösung durch den Superhit “Atemlos” von Frau Fischer. Kommen wir Musiker dann mit müden Beinen, heiserer Stimme, manchmal auch mit zu viel Alkohol nach einer langen Nacht endlich ins Bett, singt die tolle Helene dann im Traum ihren Hit in einer Endlos-Schleife weiter. Aktuell ist der Song von einer gewissen Frau Kerstin Ott der Renner. Ich habe mal nachgezählt, und so muss unsere Sängerin die Textzeile “Die immer lacht” 36 mal in 3 Minuten mit einem Lächeln im Gesicht vortragen. Manchmal sogar 3 mal am Abend…

Mir selbst geht es auch nicht besser, wenn ich als Drafi Deutscher-Double seit 40 Jahren leidenschaftlich “Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam-dam!” vorsingen darf. Da ich den lieben Drafi (gestorben 2006) schon um 10 Jahre überleben durfte, habe ich das Lied “Marmor Stein” bestimmt schon öfter singen müssen, als er selbst. Früher begannen Silberhochzeiten immer mit dem Eröffnungstanz “Schneewalzer“. “Rot sind die Rosen” ist nun schon seit 10 Jahren eines der beliebtesten Lieder im Dreiviertel Takt. Aber die jung geblieben Silberbräute bevorzugen zum Auftakt ihres Ehejubiläums jetzt eher einen heißen Discofox. Schön für uns Musiker ist es, wenn nach unendlichen Jahren dann Songs unmerklich aus dem Programm verschwinden. So ist zu Beispiel “Lebt denn der alte  Holzmichel noch” wohl heimlich doch gestorben.

Unglaublicherweise überleben gerade Evergreens den Wandel musikalischer Veränderungen im Sound, im Rhythmus, Tempo und Lautstärke. Der Blonde Hans (Albers) mit seiner “Reeperbahn” wird immer wieder mal gerne gehört.

Ebenso ein Lied aus dem Jahr 1842: “Der Mai ist gekommen”, wenn auch nur einmal pro Jahr um Mitternacht am 30. April…Schön sind auch die alten Melodien, die wir zu einer Art Lagerfeuer zum Abschluss mancher Veranstaltungen spielen. “Gute Nacht Freunde”, “Amazing Grace”, “Ade zur guten Nacht” oder “LaLeLu, nur der Mann im Mond schaut zu”… In diesem Sinne sagt Euch der Mann, der immer lacht, wir Musiker haben den schönsten Beruf der Welt. Ich selbst, auf den Spuren von Jopi Heesters, versuche noch einige Jahre weiter zu machen, wenngleich auch weniger “Atemlos”…

 

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