Das Ruder selbst in die Hand nehmen

Neurofeedback bei AD(H)S, Depressionen und anderen Selbststeuerungsproblemen

Von Tanja Meier, Ergotherapeutin

Gesund_Meier_Neurofeedback_KJan-Arne sitzt im Klassenzimmer – Englischunterricht. „Diesmal passe ich auf und arbeite mit“ – das hat er sich ganz fest vorgenommen. Angestrengt heftet er sich an die Worte der Lehrerin – Steigerung von Adjektiven. Er schlägt sein Heft auf, um etwas mitschreiben zu können. Dabei fällt sein Blick auf eine Kritzelei. „Sieht ein bisschen aus wie ein Raumschiff“, denkt sich Jan-Arne und ohne dass er es bemerkt kritzelt er weiter daran herum. Dabei bricht ihm die Bleistiftmine ab. „Oh, Mist!“ entfährt es ihm.

Alle sehen ihn an; die Lehrerin ist ärgerlich: „Jan-Arne! Du störst schon wieder den Unterricht! Wie steigert man ´good´?“ „Ähm….“ stottert Jan-Arne. Weiter kommt er nicht, weil alle lachen. Jan-Arne versteht die Welt nicht mehr. Was war denn nun wieder schief gelaufen? Er wollte doch ganz genau aufpassen.

Jan-Arne hat AD(H)S und damit verbunden ein Problem, sich selbst der Situation angemessen steuern zu können. Eigentlich möchte er nur alles richtig machen und hat auch die Fähigkeiten dafür, aber die Situationen entgleiten ihm, ohne dass er es bemerkt. „Er könnte ja, wenn er nur wollte.“ heißt es dann oft.

Viele Probleme gehen mit einer Selbststeuerungsproblematik einher, wie z.B. auch die Depression. Man kommt nicht mehr aus der schlechten Stimmung heraus. Man „hat sich einfach nicht mehr im Griff“.

Wie kann Neurofeedback helfen?

Jan-Arne trainiert mithilfe von Neurofeedback sich selbst zu steuern. Dabei bekommt er Elektroden auf den Kopf gesetzt, die seine Hirnströme messen und über einen Monitor zurückmelden. Nun muss er z.B. eine Achterbahn steuern – ganz ohne Maus und Joystick, nur mit seinen Gedanken. Richtet er seine Aufmerksamkeit gezielt nach außen und hält sie dort, fährt die Achterbahn, schweift er ab, bleibt sie stehen. Das Fahren der Achterbahn  wirkt im Gehirn wie eine Belohnung, wobei das belohnte Muster verstärkt wird. So erlangt Jan-Arne Schritt für Schritt die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, worauf er sich konzentrieren will und die Aufmerksamkeit auch zu halten.

Neurofeedback ist eine Teildisziplin des Biofeedbacks. Dies ist eine Computer basierte Therapiemethode, bei der Prozesse, die im Körper stattfinden und normalerweise völlig unbewusst ablaufen, direkt und unmittelbar erfahrbar und somit trainierbar gemacht werden. Über entsprechende Messelektroden können nicht nur Gehirnwellen, sondern auch die Schweißdrüsenaktivität, Hauttemperatur, Durchblutungsstärke, Puls, EKG, Atmung, Muskelspannung und andere Funktionen zurückgemeldet und entsprechend trainiert werden.

Bio- und Neurofeedback kann bei bestimmten Krankheitsbildern, wie z.B. AD(H)S, Depressionen, Ängsten und Zwängen, Autismus, Migräne u.a. eingesetzt werden.

Unabhängig vom therapeutischen Einsatz kann man es auch zur gezielten Leistungssteigerung in bestimmten Bereichen einsetzten. So erfreut sich diese Methode zunehmender Beliebtheit im Bereich des Leistungssports oder bei Menschen, die beruflich besonderen Anforderungen standhalten müssen.

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