Das Ende einer Bildhauer-Ära

Arthur Friske tauscht den Meißel gegen den Füllfederhalter.

Von Sonja Weichert

Aktuell_Portrait_Friske_1Schon als Kind waren es die künstlerischen Bereiche und Berufe die ihn faszinierten, und dies hat sich bis heute auch nicht geändert. Ob es bearbeiten von schwerem Stein, malen, modellieren oder schreiben von Poesie ist – alles war immer mal in Lebensabschnitten das Wichtigste. Arthur Friske geht jetzt im Alter von 76 Jahren wieder einen anderen Weg und tauscht den Meißel gegen den Füllfederhalter.

Der 1939 im ukrainischen Dorf Marianowka (damals Deutsch besiedelt) geborene Friske musste schon als kleiner Junge lernen, dass das Leben viele Hürden und Aufgaben für ihn bereithält. Aufgewachsen dann in Westpreußen ging es 1945 im Flüchtlingstreck mit selbstgebauten Planwagen in den Westen, bis er seine neue Heimat in Uelzen bei Lüneburg fand. Dort machte er als junger Mann eine Ausbildung zum Maler für Schriften- und Vergoldungsarbeiten, bis die Bundeswehrzeit ihn als Fallschirmspringer an die Donau holte.

Nach vier Jahren ging es zurück in den Beruf, doch dann sollte ein neuer Lebensabschnitt für die Erweiterung des Horizontes im künstlerischen Bereich her. In Spanien studierte Arthur Friske im Doppelsemester Kunst an der „Escuela Superior de Bellas Artes“ – auf Spanisch wohlgemerkt. Die Abschlussarbeit dort war ein modelliertes Portrait des Schulrektors in Ton. Mit der hervorragenden Benotung „vorzügliche Arbeit“ wurde das Kunstwerk im Glaskasten in der Schule verewigt.

Aktuell_Portrait_Friske_3Zurück in Deutschland machte Friske dazu noch eine Umschulung zum Möbelschreiner, was aber nur kurze Zeit wehrte, weil die Nitrodämfe für Unverträglichkeiten sorgten. Das Malen, schon immer eine der Leidenschaften, rückte in den Fokus und in verschiedenen Varianten wurden die Leinwände zu Erinnerungsstücken. Lavierte Zeichnungen und solche mit Silberstiften, aber auch Öl- und Acrylmalerei waren die größten Hobbys von Friske; das Schreiben von kleinen Geschichten und Poesie eingeschlossen. Ende der 80er Jahre ging Arthur Friske in Frührente und konnte sich so seinen Leidenschaften Holz, Stein oder Leinwand mit mehr Zeit und Kraft widmen.

Im Schaumburger Land angekommen entdeckte Friske eines Tages bei einer Radtour den Garten unterhalb der Paschenburg. Im „Garten der geliebten Steine“, wie er damals hieß, verliebte Friske sich sofort, der bis dahin seine Arbeiten auf Speckstein und Alabaster konzentrierte. Fortan waren es der Obernkirchener Sandstein und der Thüster Kalkstein, die von Friske in Form gebracht wurden. Aktuell_Portrait_Friske_2Ein 1,4 Tonnen schwerer Keiler war lange im Wiesentgehege Springe zu bestaunen. Mit der Erlebniswelt „Steinzeichen Steinbergen“ brach die Zeit der Workshops für Friske an. Sieben Jahre lang zeigte er Kindern und Erwachsenen die Kunst, einen Stein zu bearbeiten. Als der Garten unter der Paschenburg frei wurde, zögerte Friske nicht lange und gründete mit weiteren sechs Personen den Verein „Steingarten an der Paschenburg“. An die Tausend Skulpturen hat er geschlagen. Vom streng Gegenständlichen bis zur Abstraktion war alles dabei, Vogeltränken genauso, wie ein in Ostpreußen bekanntes Sinnbild eines Fisches (Stinthengst) und auch der Versuch, den Klang der Musik in Stein umzusetzen. Sein schwerstes Objekt mit der größten Herausforderung war das Ei. „Seit 1927 ist es erst bekannt, das je ein Ei in der Bildhauerei geschlagen wurde“. Auch das war einer der Gründe, warum es Arthur Friske reizte.

Jetzt, zum Ende des Jahres, ist aber Schluss mit der Bildhauerei und die Zeit des Schreibens ist angebrochen. Ganz verrückt, wie er selbst gesteht, ist Friske nach Gedichten und Co. sowie dem Überarbeiten seiner gemalten Werke. Bis spät in die Nacht fesselt ihn jetzt der Füllfederhalter – und es gibt auch schon Verlage, die nach Leseproben Interesse zeigen.

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