CD-Tipp in Oktober: Lana Del Rey – Honeymoon

Multi_CD_DelRayAuf ihre unverkennbare Art und Weise singt Lana Del Rey immer noch von Melancholie, von Momentaufnahmen längst vergangener Tage und von der hoffnungslosen Liebe für böse Jungs. Sie hat sich einen eigenen musikalischen Kosmos erschaffen, in dem sie existiert.

Auf „Honeymoon“ überwiegt der Eindruck, dass die Sängerin endgültig nur noch das macht, was sie möchte. Den Weg dahin ebnete das mutige Vorgängeralbum „Ultraviolence“ (06/2014), welches Del Reys Motive in neue Extreme führte und wie ein Stinkefinger gegen ihre Gegner wirkte. Diese gewisse Unerbittlichkeit machte die Platte zu einem düsteren Meisterwerk über Selbstzerstörung aus Liebe. Auf „Honeymoon“ ist die Unerbittlichkeit einer Gelassenheit und innerer Ruhe gewichen. Lana Del Rey muss niemandem mehr etwas beweisen und es ist vielen Songs anzumerken, dass sie vom Druck früherer Tage befreit scheinen. Die erste Single „High by the Beach“ ist der hörbare Beweis – ein lässiges Stück TrapHop, inklusive bezeichnender Textzeile „Don’t need your money to get me what I want“. Lana Del Rey transportiert Gefühle über ihre Stimme, die auf „Honeymoon“ noch mehr im Fokus steht als je zuvor. Wenn sie in „God knows I tried“ zum Beispiel einzig und allein von einer E-Gitarre begleitet wird, geht das tief unter die Haut. Es werden nicht nur Gefühle vermittelt, sondern auch Bilder in den Köpfen der Zuhörer geschaffen. In Sachen Selbstinszenierung und cineastischen Klängen macht Del Rey eben keiner so schnell etwas vor und auf „Honeymoon“ schafft sie es, ihre Theatralik mit einer berührenden Intimität zu verbinden.

Wenn ihre Arbeit weiterhin so speziell und konsequent bleibt wie hier, bietet das Kritikern natürlich genug Angriffsfläche. Del Rey kann das egal sein. Sie lebt ihre Kunst und die musikalische Welt, die sie erschaffen hat. Und das ist dem selbstbewussten „Honeymoon“ in jeder Sekunde seiner Spielzeit anzumerken.

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