CD-Tipp im Dezember: Adele – 25

Adele - 25

Adele – 25

Es gibt tatsächlich noch Alben, die wirklich und wahrhaftig aus dem völlig unüberschaubar gewordenen Veröffentlichungswust herausragen. „25“ von Adele ist so ein Album, das in der Musikwelt selten geworden ist. Händler packen sich die Lager damit voll, weil sie sicher sein können, dass es sich hervorragend verkaufen wird. Adeles letztes Album „21“ liegt vier Jahre zurück. Eigentlich zu lange im Pop-Zirkus. Doch es versorgte die Welt mit unsterblichen Hits wie „Set fire to the rain“ und „Rolling in the deep“ und findet sich in mehr als 30 Millionen Haushalten. Die bereits vorab aus „25“ ausgekoppelte Single „Hello“ wurde auch schon wieder millionenfach gestreamt. Die Rekorde purzeln also schon wieder. Wie gut, dass „25“ nun endlich da ist.

Angeführt von den dramatischen Klängen der ersten Single „Hello“, überrascht Adele bereits mit dem zweiten Song „Send my love (to your new lover)“, der von Hit-Macher Max Martin produziert wurde und Adele als locker-flockige Teen-Pop-Interpretin zeigt. Die Erwartung an „25“ ist simpel: Adele soll nicht experimentieren, sondern die Hits ihrer ersten beiden Alben reproduzieren, ohne dass sie als Selbstplagiat auffallen. Entstanden ist ein voluminös klingendes Werk, das selbst bei reduzierten Stücken wie „Million years ago“ noch unfassbare Resonanzen mitbringt. Das liegt natürlich an Adeles Prachtstimme, die auch auf „25“ alles in den Schatten stellt und hauptsächlich mit bombastischen Balladen wie keine Zweite auf die Tränendrüse drückt.

Und hier beginnt ein wenig das Problem von „25“. Es fehlt fast komplett die musikalische Lockerheit, mit der sich selbst von extremen Pathos geprägter Soul-Pop bewältigen ließe. So setzen Adele und ihre Produzenten auf „25“ aber zu ausgeprägt auf Bombast und Pianoballaden und verfehlen damit leider die hohen Erwartungen.

Über den Autor