Buchtipps im November

Von Uta Fahrenkamp, Buch & Wein

 Multi_Buch_WirsahennurdasGlückGrégoire Delacourt

„Wir sahen nur das Glück“

Atlantik Verlag, gebunden, 20,- €

Wie viel ist ein Mensch wert? Das zu beurteilen ist Antoines Aufgabe als Gutachter einer Versicherung. Als die scheinbar heile Welt des Familienvaters zusammenbricht, seine Frau ihn verlässt, er seine Arbeit verliert und er für seine Kinder längst nicht mehr der große Held ist, muss er über den Wert seines eigenen Lebens nachdenken – und seine Bilanz ist vernichtend: Er hat es nicht geschafft, seinen Kindern ein besserer Vater zu sein, als sein eigener es ihm gewesen ist, hat genauso wenig wie sein Vater um die Liebe seines Lebens gekämpft… Mitreißend erzählt Grégoire Delacourt von einem Mann, der erst ganz unten ankommen muss, um zu verstehen, dass das Leben lebenswert und echtes Glück möglich ist.

Multi_Buch_UnschuldGünter Ohnemus

„Unschuld kennt keine Verjährung“

Maro Verlag, gebunden, 18,- €

Eine ganz einfache, schwierige Geschichte über Verbrechen und Strafe: Der ruhige Alltag im Männerhaushalt von Großvater Fritz Jerome, dem 16-jährigen Frederick und seinem Vater gerät ins Wanken – natürlich – als eine Frau in ihr Leben tritt. In Lea, die nicht nur ‚so schön ist, dass man wahrscheinlich verrückt werden würde, wenn man sie zu lange anschaut‘, sondern auch intelligent, humorvoll und generell einfach perfekt ist, entdeckt Frederick seine erste große Liebe. Sie ist es, die ihn auf das Schicksal von Kai Turner aufmerksam macht, der allem Anschein nach zu Unrecht am Mord der Eltern seiner Geliebten Elizabeth Halberstam verurteilt worden ist und seit gut 20 Jahren in Virginia im Gefängnis sitzt. Erst schweißt sie die Empörung über den Fall Kai Turner zusammen, dann stellt dieser Fall ihren jugendlichen Optimismus auf die Probe und führt sie auf die Suche nach sich selbst, in einer entrückt erscheinenden, ‚erwachsenen‘ Welt. Hoffnung macht ihnen immer wieder die Tatsache, dass auch Freds Großvater und sein Vater vom Schicksal Turners nicht unberührt bleiben. Auch sie begegnen dem Fall, inspiriert vom jugendlichen Eifer und persönlichen Parallelen, schließlich mit der gleichen Obsession. Durch die Perspektive der drei Generationen beginnt Frederick zu verstehen, was Freiheit und Liebe bedeuten können. Mit gewohnt scharfer Beobachtungsgabe schafft es Ohnemus, die Liebesgeschichte dreier Generationen zu erzählen, die zugleich eine Sinnsuche ist; er erzählt eine Kriminalgeschichte, die den Bezug zur politischen Realität nicht scheut.

Multi_Buch_SalimKinderbuch ab 8 Jahre

Uticha Marmon

„Mein Freund Salim“

Magellan GmbH, gebunden, 13,95 €

Obwohl Hannes und seine Schwester Tammi nicht immer ein Herz und eine Seele sind, halten die Geschwister zusammen, wenn es darauf ankommt. Zum Beispiel wenn eine Geisterbahn für das Schulfest gebaut werden soll. Oder wenn der Vogeljunge plötzlich in ihrem Leben auftaucht und alles durcheinanderwirbelt. Salim heißt er und spricht kein einziges Wort Deutsch. Aber das ist Hannes und Tammi egal, denn für sie steht fest: Freunde müssen nicht dieselbe Sprache sprechen, um einander verstehen zu können. Nach und nach erfahren die beiden, warum Salim immer ganz allein am Schulzaun steht. Sich manchmal in Schränken versteckt. Und warum er so fürchterliche Angst hat. Salim ist ein Flüchtling aus Syrien. Auf dem langen Weg nach Europa hat er das Allerwichtigste verloren: seine Familie.

 

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