Alte Bekannte in neuem Gewand: Deutsche Gemütlichkeit

Die internationale Einrichtungsmesse imm cologne 2015 zeigte ganz deutlich: Die Deutschen machen es sich wieder gemütlich in ihren Wohn- und Schlafzimmern!  Im Ausland mit Weihnachtsmärkten und Oktoberfesten fast schon zum Exportschlager entwickelt, gibt die „German Gemütlichkeit“ ihr fulminantes Comeback in den eigenen vier Wänden.

B&W_Wohnen 2015_Deutsche Gemütlichkeit_2

Minotti, Foto: Koelnmesse

Bereits in den 50er- und 60er-Jahren zeigte sich der deutsche Sinn für Behaglichkeit beim Wohnen traditionell mit geschwungenen Formen und abgerundeten Silhouetten. Diese Weichheit mischt sich nun sukzessive unter die in den letzten Jahren dominierende, oft kühle Interpretation der Designer und verleiht ihr einen neuen, wohligen Anstrich.

Schaut man sich in 2015 in den Wohnungen und Lofts von Designbegeisterten um, wird man nicht umhin kommen, den neuen Wind von Atmosphäre, Muße und Lebensgefühl zu bemerken. Wie ein roter Faden zieht er sich durch das Interieur und legt sich als sanft anmutender Schleier über Linien, Ecken und Kanten.

B&W_Wohnen 2015_Deutsche Gemütlichkeit

Foto: Koelnmesse

 

Besonders ins Auge fallen unter den ersten Designneuheiten die maßgeschneiderten Accessoires, deren Mix aus geradlinigen, klaren Formelementen und warm-weichen Textilien und Tönen den Megatrend unterstreichen. Und auch die eingesetzten Materialien kommen behaglich daher. Sowohl Hersteller als auch Premium-Labels haben offensichtlich erkannt, dass Holz und zarte Formen und Farben dem allgemeinen Wunsch nach wiederkehrender Gemütlichkeit am ehesten entsprechen. Tatsache ist ebenfalls, dass die Wuchtigkeit von Sofas, Sesseln und Beistellmöbeln längst der Vergangenheit angehört. Grazil und leichtfüßig gesellen sie sich zu kleinen Schränkchen und gruppierten Poufs und Hockern. Ergänzungssortimente wie Kaminöfen erleben eine Wiedergeburt und runden als modulare Elemente oder Sitzmöbel das neue Gesamtbild ab.

B&W_Wohnen 2015_Deutsche Gemütlichkeit_6

hem, Pure, Foto: Koelnmesse

Wer nun aber meint, dass Gemütlichkeit gleichbedeutend mit Häkeldeckchen und Ohrensesseln ist, der soll eines Besseren belehrt werden. Die Designer orientieren sich bei ihren Neuinterpretationen vornehmlich an den Klassikern aus den 50er- und 60er-Jahren und haben keine Angst vor der Konfrontation mit dekorativen Mustern und traditionellen Formen. Sie lassen Pappmöbel und Klappstühle wiederauferstehen und kleiden sie in einen neuen, glanzvollen Street Art-Look. Die handwerkliche Qualität und die unmittelbare Materialität stehen dabei eindeutig im Vordergrund.

Eines steht fest: Das Gefühl von Heimat und Wärme ist wieder eingezogen in die Wohn- und Schlafzimmer. Die „German Gemütlichkeit“ – eine alte Bekannte, die sich in neuem Gewand präsentier.

(Quelle: Koelnmesse)

Über den Autor